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Esch, Montag, den 1.Januar 1945 Heute Abend war ich mit Mutter zur Andacht. In seiner Einleitung sagte der Pfarrer bei der Predigt: Wenn wir einen Blick auf das vergangene Jahr werfen, dann müssen wir feststellen, daß es ein armes, trübseliges Jahr war. Treffender konnte der Pfarrer die Worte nicht wählen. Unsere nur Sieg gewohnten Armeen sind fasst überall an Deutschlands Grenzen zurückgedrängt worden. Ganz Deutschland leidet unter den Angriffen der englischen und amerikanischen Luftwaffe. Von vielen Städten ist nur ein einziger Trümmerhaufen übrig geblieben. Tausende Männer, Frauen und Kinder fielen den Angriffen zum Opfer. Millionen Menschen mußten ländliche Gegenden aufsuchen. Nur dürftige Unterkunft gibt es hier. Hab und Gut ist verbrannt oder liegt zertrümmert unter den Ruinen, der sonst so schönen Wohnungen. Die Familien sind auseinander gerissen. Der Vater arbeitet in irgendeinem Betrieb weiter, die Mutter mit den Kleinstkindern sind evakuiert, der 16.jährige muß Schanzarbeiten leisten, die älteren Kinder sind Soldat, im Arbeitsdienst oder sonst wie dienstverpflichtet. Und wie viele Familien mußten von Partei- und Wehrmachtsstellen entgegennehmen, daß ihr Sohn oder ihr Mann ein Heldengrab gefunden hätte. So gibt es wohl kaum eine Familie, die nicht ihr Leid zu klagen hätte. In Esch allein gibt es bis jetzt 42 Gefallene und 25 Vermisste.... Angriff auf Köln. Südbrücke zerstört. Sie liegt im Wasser. Vereidigung zum Volkssturm in der Rheinlandwolle. Die Erfassung geschah durch die Partei. Mäßige Stimmung. Nach 9 - wöchentlicher Krankheit habe ich den Dienst wieder aufgenommen.... In Köln liegt hoher Schnee. Nun muß ich wieder selbst kochen. Jämmerlich, kein Licht und Wasser, keine Straßenbahn fährt. Wenige Geschäfte sind in den Trümmern offen. Bier gibt es nicht mehr, fast nur noch Lebensmittel. Großangriff. Ich war im Großbunker Schnurgasse. Er hob und senkte sich. 3 Luftminen waren in nächster Nähe gefallen. Die Hohenzollernbrücke hat mehrere Treffer erhalten. .... Ich war am Sonntag gegen 15 ½ Uhr bei Mutter [Anm.: in Katzenbach] angekommen. Alle freuten sich. Die Nacht zum Sonntag habe ich im Dombunker verbracht. Gegen 3.30 Uhr marschierte ich mit einigen Personen bei grimmiger Kälte zu Fuß nach dem Bahnhof Kalk. Der Bahnhof war zerstört. Wir warteten bis 9.30 Uhr auf einen Zug. Mit noch vielen Mitreisenden konnten wir dann in Güterwagen einsteigen und bis Troisdorf fahren. Nach zweistündigem Aufenthalt brachte uns endlich ein Zug bis Betzdorf. Nach einstündigem Fußweg kam ich dann endlich gegen 15.30 Uhr in Katzenbach an. Nach stürmischer Fahrt bin ich wieder mit dem Fahrrad - Auf dem Gepäckständer 12 Einmachgläser mit ½ Liter Inhalt - glücklich bei Mutter in Katzenbach gelandet. Es sind traurige Zustände. 10 Personen schlafen im Wohnzimmer: ....Wir bemühen uns aber eine andere Wohnung zu mieten, die allerdings schwer zu beschaffen ist. ... Bei einem Luftangriff wurde die Rheinbrücke bei Rodenkirchen zerstört. Sie liegt im Wasser. Ebenfalls erhielten auch die Hindenburg- und Hohenzollernbrücke Treffer.
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Heute bin ich nicht zur Mutter gefahren. Es ging nicht, da die Züge nur von Porz-Urbach verkehren und zwischendurch noch die Strecke unterbrochen ist. Seit einigen Tagen haben wir Tauwetter. Der Krieg ist seit einigen Wochen in ein neues Stadium getreten. Die Russenoffensive hat die Oder von Schlesien bis Küstrin erreicht. Wie soll das enden? ...Und dann die Kriegsgeschehen. Kommen wir noch einmal glücklich zusammen? Köln soll als Festung verteidigt werden und zwar mit uns Volkssturmmänner! Heute bin ich nach toller Fahrt zu einem kurzen Besuch in Esch gelandet. Ich will mit Bruder Bastian eine Fahrt zur Mutter vorbereiten. In Köln gab es schon um 8.30 Uhr Alarm. Dauernd kreisten Jabos und Leightnings über Köln. Sie beschossen die Güterbahnhöfe und Verkehrsstraßen. 10.30 Uhr war ich am Opernhaus,
fahre mit einem Goliath-Wagen bis Eupemer Straße, dann zu Fuß bis Militärringstraße. 11.30 Uhr Abfahrt mit Wagen bis Großkönigsdorf. Öfteres Halten des Wagens und Flüchten in Böschung war notwendig. Dauernd kamen Jabos in Tiefflüge an. Von Großkönigsdorf Fußweg über neue Autostraße Richtung Bergheim. Auf der Höhe der Autostraße kommen plötzlich 15 schwere Bomber, kreisen und laden ab. Ein Katzensprung und ich lag mit einem mich begleitenden 16jährigen Fronthelfer im Graben. Alte Oper am Habsburgerring * Die Bomben waren aber noch über 100 m von uns weg gefallen. Flakfeuer setzte ein. Nun mußten wir auch noch den Splitterregen der Flakgranaten über uns ergehen lassen. Dann kamen auch noch die Jabos hinterher. Doch alles ging gut und wir konnten weitermarschieren. Aber da kam kurz vor der Abfahrt nach Ischendorf ein Wehrmachtswagen. Ich winkte, er hielt. Ein Oberleutnant ließ uns einsteigen und ab ging es in rasendem Tempo nach Quadrath. Hier mußten wir aussteigen. Der Wagen fuhr nach Fortuna. Nun warteten wir wieder. Aber da kam ein kleiner Tempowagen. Der bringt uns nach Bergheim. Nun sind wir zu dritt: der Fronthelfer, ein Oberfeldwebel und ich. Wir wollen gemeinsam nach Zieverich zum Verkehrsposten. Die zwei wollen nach Bedburg. Von der Ecke in Zieverich kam man eher ein Auto erreichen. Wir marschieren durchs Bergheimer alte Römertor. Schon in Bergheim haben wir [uns] an den Häuserfronten entlang gezittert aus Furcht vor den immer wieder im Tiefflug angreifenden Jabos. Nun waren wir etwa 5-10 m hinter dem Tor. Da kommen sie wieder. 4 Maschinen in brausendem Tiefflug, Bomben heulen. Wir liegen flach im Dreck des Straßengrabens. Höchstens 20m von uns war ein kleiner Bombenteppich in das Moorgelände dicht am Straßenrand gefallen. Dreck und Wasser überschütteten uns. Es war keine Zeit zum Überlegen. Die Luft dröhnte von MG-Geratter und brausenden Motoren. Ein paar Sprünge und wir lagen wieder unter dem schützendem Römertor. Es war auch die höchste Zeit; denn nun schlugen wieder 4 Bomben aus neu herangekommenen Maschinen auf. Zwei bohrten sich mitten in dem Straßenkörper ein und zwei fielen wieder seitlich in das Moor. Ich sah genau die etwa 50 m von uns entfernten Einschläge. Den Kopf und den Leib fest an die Mauer gedrückt, konnten Splitter und Steinbrocken mir nichts anhaben. Furcht kannte ich keine mehr. Ich fühlte mich sicher hinter den dicken Mauern. Wenn nur kein Volltreffer kommt. Bleich lag der junge Fronthelfer hinter meinem Rücken schutzsuchend. Dahinter der Oberfeldwebel. So verging eine Stunde, in der die Landstrasse, Bahnhof und Gleisanlagen um Bergheim heimgesucht wurden. Dann konnten wir unseren Weg fortsetzen. In Zieverich nahmen wir Abschied. Ich hatte aber wieder neue Begleiter. Da kein Auto kam, ging ich nun mit einem jungen Landser nach Elsdorf zu Fuß. Er war Sudetendeutscher und lag in Jülich an der Front. Auch auf dem Weg nach Elsdorf immer noch Jabos. Jabos, Jabos im Tiefflug. Jetzt wurden Stellungen hinter Esch und ein Munitionszug bei Etzweiler beschossen. Letzterer ging in Flammen auf. - Müde und hungrig kam der Wandersmann abends gegen 17.00 Uhr in Esch an. Nun sitze ich wieder zwischen den kahlen Wänden in der Gierkestraße. Nur eine Fensterscheibe bringt mir etwas Licht. Die anderen Fenster sind mit Brettern zugenagelt. Was nützen auch noch Glasfenster, die doch dauernd in Trümmer gehen. Die Küchendecke ist schwarz. Kalk zum weißen gibt es doch nicht mehr. Mehr auch da Lust zum Arbeiten. Die Tapete ist zerfetzt vom Luftdruck der Luftminen. Gerade habe ich mir den Herd angezündet und eine ordentliche Fuhre Brikett eingelegt. Langsam kommt etwas Wärme in die Bude. Scheußlich das Alleinsein. Und dabei noch immer das Ungewisse der kommenden schweren Monate. Am Samstag war ich wieder zur Mutter nach Katzenbach gefahren.... Nach vielen Mühen haben wir jetzt eine Wohnung bei einer Ww. Zöller, Haus 22 gemietet. 1 Schlafzimmer, ein kleiner Raum, den wir Küche nennen. Dort haben wir einen Herd aufgestellt. 1 Sofa, 1 Tisch und ein paar Stühle machen die Sache fertig. Wenn der Krieg nicht in die dortige Gegend kommt, wäre es schon für die Kriegszeit als „sehr gut“ zu verzeichnen. Aber ich fürchte, wenn der Krieg nicht bald zu Ende geht, wird der Kampf auch noch dorthin getragen. Denn noch ist die Großoffensive nicht angelaufen. Sie wird jedoch täglich erwartet .Dass dann der Feind mindestens bis zum Rhein durchstößt, scheint sicher zu sein. Der Raum, in dem der Deutsche Soldat kämpft, wird immer enger. Jetzt ist es eigentlich der Raum zwischen Oder und Rhein, wo wir uns bewegen können. Aber auch diese Wege sind gefahrvoll. Die täglichen großen Luftangriffe der Engländer und Amerikaner schonen keine Stadt, ob sie nun im Norden, Osten, Süden oder Westen des Raumes liegt. Berlin, das etwa 60 km von der Front entfernt liegt, hat auch wieder schwerste Angriffe über sich ergehen lassen müssen. Wieder liegt eine Fahrt zur Mutter nach Katzenbach hinter mir. Heute Morgen bin ich zurückgekommen. Eigentlich waren es tolle Fahrten. Samstag früh um 4 Uhr bin ich mit dem Fahrrad nach Hennef gefahren, da sonst keine Möglichkeit vorhanden war, dorthin zu kommen. Gegen 7.30 Uhr kam ich in Hennef an. Nachdem ich 2 ½ Stunden auf einen Zug gewartet hatte, kam endlich so ein Leu an und brachte uns nach Scheuerfeld, eine Station vor Betzdorf. Ich hatte ja an ein solches Glück nicht geglaubt, und hatte die Absicht gehabt, die ganze Reise mit meinem Stahlroß zurückzulegen. Aber so war es besser. Man hatte die Strecke von den vielen Bombenschäden befreit. Fast jede Station hatte aber noch Spuren der Angriffe hinterlassen. Fast jede Siegbrücke war mit Bombentrichtern umgeben. Viele auch beschädigt. Hier und da lagen auf Nebengeleisen zerstörte Waggons herum. Die Jabos hatten furchtbar gehaust. Auch manches Haus der schönen Siegdörfer hatte dran glauben müssen, so in Eitdorf, Dattenfeld, Roßbach, Au. Roßbach gleicht wenigstens zur Hälfte einem Trümmerhaufen. In Au war unter anderem die Sieg-Eisenbahnbrücke zerstört, die nach Altenkirchen führt. Etwa 1000 Gefangene und Fremdarbeiter waren unter Aufsicht der SS mit dem Wiederaufbau beschäftigt. Ich sah, wie die Bewachung es für nötig hielt, dauernd die Männer mit Stöcken anzutreiben. Gegen 13 Uhr kam ich müde bei Mutter in Katzenbach an. Groß war die Freude. Betrübend und schwer der Abschied um 3 Uhr früh. Weißt man doch nicht, ob es das letzte Mal, daß man sich im Leben noch einmal wieder sieht. Jetzt fuhr ich mit meinem nun leicht gewordenen Fahrrad - auf dem Hinweg hatte ich schweres Gepäck - bis vor Scheuerfeld. Da kommt ein Lastwagen. Ich winke und rufe ihm zu. Er hält. Ich trage ihm meine Bitte um Mitfahrt vor. Er fährt nach Brühl Brikett holen, ich kann aufsteigen. Die Fahrt geht bis zur Abfahrt Autostraße Köln-Bonn, Abfahrt Wesseling. Von dort hatte ich nur noch 10 km zu fahren. Köln lag noch in der alten Ruhe da. Der Verkehr geht weiter, trotzdem die Amerikaner Jülich und Düren weit hinter sich gelassen haben und bei Jülich bereits in Steinstraß stehen. Wie ich von Flüchtlingen, die die Aachener Str. herunterkommen, erfahre, sind die Amerikaner vergangene Nacht in Elsdorf eingedrungen. Damit ist bestimmt auch Esch und Niederembt besetzt. - Unsere Heimat! Die Besetzung von Kirchtroisdorf ist bestimmt auch damit erfolgt. Bei Düren sollen die Amis bis Blatzheim vorgestoßen sein. Frechen und der äußere westliche Teil von Köln liegt schon unter Artilleriefeuer. Wie soll das noch enden? Wir liegen im Arifeuer, d.h. nur in der Nacht und im südlichen Stadtteil bis in die südliche Altstadt. Arifeuer war von 23.15 Uhr bis1.30 Uhr. Soviel bekannt, gab es 1 Toter und 15 Verletzte. Die Behörden haben noch nichts unternommen, um die Bevölkerung zu evakuieren. In den Stadttrümmern wird Fahndung nach Fahnenflüchtigen vorgenommen. Es sind jetzt 20 Uhr. Großalarm! Der Donner des Arifeuers tobt über der Stadt. Die Amerikaner sollen die Erft überschritten und Köln näher kommen. ... Mittwoch, den 28.2.1945, 20 Uhr abends Gerade kam die Nachricht, daß heute am Spätnachmittag die Hängebrücke plötzlich ins Wasser gefallen sei. Die Brücke war vor einigen Wochen schwer beschädigt worden. Trotzdem wurde der Verkehr weitergeleitet. Besonders in den Nachmittagsstunden war dieser immer lebhaft. Unter der starken Belastung stürzte sie nun plötzlich in den Rhein, Menschen und Wagen mit sich reißend. Das nähere werde ich erst morgen erfahren. Unsere Türen und Fenster zittern noch immer unter dem Feuer der jedenfalls in der Nähe stehenden Ari. Ich muß noch packen, daß ich für alle Fälle, die eintreten können, gerüstet bin. 23.45 Uhr Ich habe noch den Koffer gepackt, Taschentücher und Oberhemd gewaschen. In Zwischenräumen höre ich feindliche Granaten pfeifen, dann die Detonation. Ich führe meine eigenen Gedanken. Mit keinem meiner Geliebten kann ich sie teilen. Alle drei sind in der Ferne. Ich gehe ins Bett, welches ich im Wohnzimmer aufgeschlagen habe. Da bin ich ja noch ziemlich sicher vor Granateinschläge. |
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Ich bin zum Dienst gefahren. Über den
Einsturz der Hindenburgbrücke war ein Berufskamerad Augenzeuge. Sein Wagen
hatte gerade die Brücke passiert, da hörte er hinter sich ein tosendes Geräusch
und Schreie. Furchtbar muß der Anblick gewesen sein.
Heute früh kam Räumungsbefehl für alle Frauen. Alle sollen aber über die rechte Rheinseite ins Bergische Land gebracht werden. Männer ab 16 Jahren müssen hier bleiben. Was es mit uns beimFernmeldebauamt 1 geben soll, schwebt noch im Dunkeln.
Luftbild zerstörte Hindenburgbrücke; Gestern hat die Hohenzollernbrücke einen Treffer in die Fahrbahn erhalten. Der Amerikaner soll nur noch 15 km von der Stadtmitte entfernt sein. Noch schießt seine Ari schwach. Bis heute abend kann sich aber noch viel ändern. Ich sitz beim Bautrupp Sender Kartäuserwall. Gerade pfeift wieder ein Geschoß über unsere Köpfe hinweg. 2.3.1945 – 8.45 Uhr ... Aber dies vergaß ich in diesem Augenblick. Ich setzte mich aufs Rad und fuhr nach dem Hochbunker Schnurgasse. Kaum war ich auf dem Vorplatz, da kommen 3 Leightnings an und weit dahinter ein Bomberverband. Die umherstehenden und kommenden Menschen drängten zum Bunker. Ich ließ mich mitreißen. Kaum waren wir drinnen, fielen auch schon die ersten Bomben. Ca. 25 Minuten hielt das Bombardement an. Der Bunker hebte und senkte sich. Staubwolken raubten, einem den Atem. Frauen wimmerten, Kinder schrieen. Es gab Ohnmächtige. Eine Tür wurde vom Luftdruck herausgerissen. Da drängten die Menschen aus den bedrohten Räumen, in die unseren entfernt liegenden herein. Wenn wir Männer nicht ernsthaft zur Ruhe ermahnten, wäre dies zu einer Panik ausgeartet. So beruhigte man sich langsam wieder. Nachdem der Bombenhagel eine Zeitlang verstummt war, wagte ich mich mal an die Luft. Ein grausiges Bild lag da vor meinen Augen. Alles ringsumher war zerstört. Brennende Häuser weinende Frauen. Meist kamen nur die Männer langsam aus dem Bunker auf den Vorplatz. Auf einmal kamen höhere SA-Männer, ich glaube von der der Kreisleitung Josefstraße. Einer stellte sich mitten auf den Platz und rief: „Alle Männer heran, da hinten liegen Menschen unter den Trümmern.“ Kaum sah man eine Bewegung. – Los, los, heran, rief er nochmals – Dasselbe Ergebnis. Da zog sein Begleiter eine Maschinenpistole und rief ebenfalls: wollt ihr nun?“ Ein Teil der Männer folgte nun dem Ruf, der größte Teil haut in andere Richtung ab oder gingen wieder schleunigst in den Bunker. Ich musste wieder zum Dienst. – Gleich beim Austritt aus dem Bunker sah ich mein Fahrrad unter den Trümmern einer Mauer liegen. Jetzt hatte ich erst Zeit, mich um dasselbe zu bemühen. Oh weh, das Vorderrad war zertrümmert. Was nun? Ich überlegte nicht lange und trug es zum TBA1 Ulrichgasse. Der Weg führte über zugeschüttete Straßen. Das Bauamt selbst hatte 3 Volltreffer bekommen und war vollständig zerstört. Kein Mensch war zu sehen. Alles schien kopflos zu sein. Ich stellte mein Rad im Hofraum ab und hatte vor, es am anderen Tag wieder instand zu setzen. Nun begab ich mich auf den Heimweg. Nach einigen Minuten wieder „Großalarm“. Nun lief ich wieder zurück, da ich einen 2ten Angriff vermutete, in den Luftschutzkeller des TBA. Nachdem die Gefahr behoben war, nahm ich mein Rad auf die Schulter und trug es nach Haus. Ich muß gestehen, nie hatte ich solche Angstgefühle, wie ich sie auf dem Heimweg hatte. Das Erlebte allein und dazu das nie abreißende Bild der Zerstörung wirkte furchtbar auf das Gemüt ein. Viele Tragbahren mit Toten und Verletzten kamen mir zu Gesicht. Immer noch was Alarmzustand. Jabos kreisten noch immer über der Stadt und beschossen gesteckte Ziele. 3-mal setzte ich meine Last zur kurzen Atempause ab, bis ich zu Haus angelangt war. Ich hatte es geschafft. Unser Stadtgebiet wurde von dem Angriff nicht betroffen. Aber es war ein Wettlauf mit dem Tod…. Samstag, den 3. März 1945 – 20 Uhr Ich sitze wieder in der warmen Küche, etwas aufgeregt. Man sagt, der Amerikaner stände schon bei Worringen. Schwer rollte der Geschützdonner der Panzer und Artillerie über unsere Siedlung. Herr Hansen und Herr Tesch wollen nachher bei uns im Haus schlafen. Sie wollen nicht allein in der Wohnung bleiben. Sonntag, den 4.März 1945, 9 Uhr Die Luft ist wieder erfüllt von Kriegslärm. Um 7 Uhr war ich zur Messe und habe kommuniziert. Was mögen nun die nächsten Tage bringen? Ich bin sehr ruhig geworden und auf alles gefaßt. - Da kommt wieder ein schwerer Schlag. Die noch übrig gebliebene eine Fensterscheibe klirrt gewaltig. Vielleicht war ein schwerer Einschlag in unserer Nähe. Nun kreisen wieder meine Gedanken über Katzenbach, Stalingrad und Ottawa. Ich versuche, mich in die Gedanken meiner Lieben zu finden. Es ist furchtbar.... 13.30Uhr Immer noch heftiges Geschützfeuer. Es scheint sich zu nähern. Wir haben regnerisches, trübes Wetter, daher keine größere Fliegertätigkeit. Unsere Ari schießt seit 5 Minuten über unsere Siedlung weg in Richtung Neußer Landstr. - Inzwischen sind 14 Uhr - Heute Mittag habe ich im Restaurant Hinnenberg gegessen. Es gab nur noch Stammgericht. Wie ich hörte, sollen die Amis bei Longerich am Rhein stehen, sowie auch Bocklemünd besetzt haben. Auch sollen sie zwischen Frechen und Köln auf dem Vormarsch sein. Im Allgemeinen heißt es jetzt, daß Köln nicht stark verteidigt würde. Man schließt dies aus der Tatsache, daß unsere Truppen dauernd über den Rhein in Bewegung sind. Große Mengen von Wehrmachtswagen sollen sich in Köln vor der Hohenzollernbrücke stauen. Dafür ist ja das diesige Wetter mit den tief hängenden Wolken günstig. Entscheidungsvolle Stunden liegen vor mir. Was soll ich tun? Über die andere Rheinseite gehen, wie dies von der Dienststelle angeordnet wurde? Alles im Stich lassen? Soll ich mich versteckt halten, bis alles vorüber ist? Wenn Köln nun, wie Göbbels sagte, wie Stalingrad verteidigt werden soll? Was gibt es denn mit dir? Als Volksstürmer noch das Leben für die Nazis lassen? Oder, wenn man mich auffindet, stellt man mich an die Wand? Was erwartet mich auf der anderen Seite? Mutter eine Stütze sein? Nein, das duldet man nicht. Man wird mich dort zur Wehrmacht einberufen oder ich muß zum Volkssturm. Alles schreit in mir: Bleibe hier. Der Krieg ist verloren. Drüben darfst doch nicht zur Frau. Es erwartet dich dort der Tod. Also ich bleibe… Morgen will ich noch mal zur Dienststelle fahren, nach Vereinbarung mit Kollegen. Um 7.30 Uhr bin ich nochmals nach Vereinbarung mit Kollegen zum Dienst gefahren. Außer einigen Arbeitern habe ich keinen angetroffen und bin wieder sofort nach Haus gefahren. Der Weg war gefahrvoll. Auf dem Hinweg begegneten mir 2 anscheinend schwer verwundete Soldaten. Ein Sanitäter nahm sich ihrer an. Am Eingang Nippes und Amsterdamer Str. / Kaserne ist unsere Ari aufgefahren. Den ganzen Morgen geht es lebhaft zu… Abschüsse von uns und auch von den Amis, sowie die Einschläge sind deutlich zu unterscheiden. Dazwischen das MG-Geknatter. Ich habe mir gerade Pfannkuchen gebacken. Ob er mir schmeckt, weiß ich noch nicht. Gegessen habe ich noch nichts. 18.30 Uhr Der Geschützdonner und MG-Geknatter reißt den ganzen Tag nicht ab. Seit einer ½ Stunde sieht es so aus, als wenn sich das Schwergewicht des Kampfes mehr nach den westlichen Stadtteilen verlagert hätte. Vielleicht versucht der Feind von der Venloer Str. aus in das Stadtinnere einzubrechen. 21 Uhr .... Die Front steht anscheinend hinter Niehl. Wir wären froh, wenn wir es überstanden hätten. Herr Hansen ist heute Nachmittag noch abgehauen. Er war sehr aufgeregt. Ob er es richtig gemacht hat, ich zweifle daran. Nun, vielleicht wird man ihn als 60Jährigen nicht mehr in den Volkssturm einsetzen. Aber seine Wohnung gibt er doch preis. Dienstag, den 6.3.1945 - 8 Uhr August Breuer und ich liegen noch in den Betten. Da kommt Frl. Severin aus der hl. Messe. Auf der Treppe ruft sie: Herr Kolvenbach, August, Herr Kolvenbach, August, die Amerikaner sind da - Was? - Ja, ich habe ihnen schon zugewinkt. 5 oder 6 Tanks stehen in der Friedrich Karl Str. - Wir sind baff. Wir spritzen aus den Betten und in die Hosen. Dann geht´s herauf an die Haustür. Ich sehe einen Tank in Richtung der Straßenfront unserer Häuser auf der Friedrich Karl Straße stehen. 9.45 Uhr Wir haben bis jetzt im Keller gesessen und dazwischen gefrühstückt. Die Panzer stehen noch immer an der Friedrich Karl Straße. Seit 10 Minuten hat hier die Schießerei aufgehört. Unsere Truppen scheinen sich über die Amsterdamer Str. und Boltensternstr. zurückgezogen zu haben. 10.30 Uhr Ich sitze wieder im Kartoffelkeller. Neben mir eine Stall-Laterne, die mir etwas Licht spendet. Die Einschläge liegen wieder nahe. Gerade war ich mal bis an Kochs Ecke. Ein Panzer der Amis steht am Bergabhang hinter den Häusern an der Amsterdamer Straße. Die anderen auf der anderen Seite der Straße hinter der Fabrikmauer. Angst wie bei Bombenangriffen braucht man nicht mehr zu haben. Ich glaube, in ein paar Stunden kann alles vorbei sein. 0, Ihr Lieben, wäret Ihr jetzt doch bei mir. Schreiben kann ich noch nicht viel. – 11.50 Uhr Wir sitzen bei Enkelers im Keller. Er hat dort ein Ofen stehen. Gerade schlug eine Granate unserer Ari in die erste Etage des Nebenhauses (Familie Folz) ein. Unsere Ari schoß etwa 6 Schuß herüber. Ich sagte noch, die können uns auch hier noch treffen. Nach einer Sekunde war es schon passiert. 12.30 Uhr Wir hören wieder Panzer durch Niehl rollen. Sie kommen immer näher. Jetzt werden sie von unserer Ari beschossen, aber sehr schwach. Überhaupt scheint es sich im Ganzen um Nachhutgefechte zu handeln. Wie es in der Stadt aussieht, wissen wir nicht. Aber eines steht fest: Es ist ein vergeblicher, sinnloser Widerstand, den unsere Truppen leisten müssen. 15.30 Uhr Im Niehler Hafen hat ein lebhafter Kampf
begonnen, d.h. schon seit 2 Stunden.
Bild Niehler Hafen 1938* Vorher hatte der Leutnant noch die von Bunkerinsassen am Tor befestigte weiße Fahne heruntergerissen. In den zerschossenen Autos fanden Leute 2 Kistchen Zigarren und eine Flasche Cognac. (Diese Vorfälle wurden mir von Herrn Jüsten aus der Rudolf-Sohm-Str. berichtet.) 16.10 Uhr Bevor ich die letzten Zeilen schrieb, hatte ich die Küche gründlich aufgeräumt und alles blank geputzt. Oft habe ich diese Arbeit und das Schreiben unterbrechen müssen, wenn ein Feuerhagel von Granaten über unsere Häuser zischten. Ein paar 100 m zu kurz und die Dinger lägen bei uns in der Straße. So auch heute Vormittag. Eine Granate schlug durch Huppertz Haus über die Straße, durch Beckers Haus und landete in der Pohlmannstr. So liegen ein Teil Granaten in der Rudolf-Sohm-Str. ohne viel Schaden angerichtet zu haben. Im Augenblick ist heftiges M.G.-Feuer und der der Pak-Geschütze im Niehler Hafen im Gange. Granaten heulen noch dauernd hier herüber. Diese Stunden müssen wir mit Geduld ertragen. Gegenüber dem Los der Soldaten können wir noch zufrieden sein. Hier in der Straße hat sich noch kein amerikanischer Soldat sehen lassen. Nur durch die Rudolf-Sohm-Straße sind 3 gekommen und haben nach deutschen Soldaten gefragt.... ...Wenn der Kampf hier im Hafengelände vorbei ist, werden wir auch wohl Ruhe haben. Von der Stadt ist nichts bekannt.... 18.10 Uhr Ein Teil unserer im Getreidespeicher eingeschlossenen Soldaten zeigten die weiße Fahne und ergaben sich. Sie wurden über den Bahndamm abgeführt. Sonst geht der Kampf weiter. 22.00 Uhr Ari schießt noch über unsere Häuser. Die Siedlung ist noch gefährdet. Unsere Ari schießt aus Richtung Poll hier herüber. Wir haben bei Breuers 3 Betten aufgestellt. Dort werden wir wohl sicher sein. Es war eine ziemlich ruhige Nacht. Im Hafengelände haben sich sicher der Rest unserer Truppen gegen morgen ergeben. 9.30 Uhr Alles ist in Ruhe gehüllt. Wir waren mal zur Amsterdamer Straße gegangen. Ein Polizeiauto steht gegenüber der Friedrich Karl Straße. Rechts und links daneben lagen 2 Polizeisoldaten tot neben dem Wagen. Gegenüber Krüger ein Volkswagen der Wehrmacht. Rechts am Tor lag ein Oberfeldwebel, tot, die Maschinenpistole in der Hand. Links von der Straße hinter einem Baum ein Leutnant und hinter dem nächsten Baum noch ein toter Soldat. (Anmerkung: Diese Wahrnehmungen konnte Herr Breuer und ich machen, ohne daß wir von der Besatzung des am Bergabhang stehenden Panzers daran gehindert wurden.) 15.00 Uhr Der Kampf im Niehler Hafen ist beendet. Seit heute morgen wird das Silo von den Niehlern geplündert. Es gibt Zucker, Mehl und Salz, Weizen und Hafer. Die Amerikaner lassen alle gewähren. Mit Fahrräder, Wägelchen, Handwagen, sogar mit Pferdekarren und Lastwagen wird alles fortgetragen. Ich gehe nachher mit Herrn Breuer auch mal dorthin. Als wir an dem Zollhaus vorbei kamen, war dies von amerikanischen Soldaten noch umstellt. Aus dem Haus kamen MG-Garben, die uns zwangen, hinter einem Steinhaufen Schutz zu suchen. Anscheinend wurde das Gebäude noch von einigen deutschen Soldaten verteidigt. Oder war es nur Spielerei der Amis? Sie störten sich nicht an uns und schnell hauten wir ab. Am Silo war noch reger Betrieb. Jeder nahm sich, was er brauchen konnte. Die Säcke mit Zucker waren teilweise mit Petroleum durchtränkt worden, sicher, um dem Feind den süßen Geschmack zu verderben. 13.30 Uhr. Es sind wieder 4 Amerikaner hier in der Gierkestraße bei der Hausdurchsuchung. Gerade wurde bei Broichhagen die Tür aufgebrochen. 2 amerikanische Soldaten versuchten, die Tür einzudrücken. Es ging nicht. Dann nahm einer die Pistole und schoß ins Schloß. Ein Stoß und die Tür sprang auf. Sie gehen herein. Ich warte und beobachte das Geschehen hinter der einzigen Fensterscheibe, die mir verblieben. Die anderen hatte ich mit dicken Dielen zugenagelt. 13.45 Uhr Sie kommen heraus und haben ein Radiogerät. Jetzt gehen sie zur Pohlmannstraße. Vorher sind 2 andere vom Garten aus in Teschs Wohnung gegangen und haben alles durchsucht. Bei mir ist noch keiner gewesen. 14.00 Uhr Seit einer Stunde haben wir wieder Licht und können Radio hören und das am ersten Tag nach dem beendetem Kampf. Radio Luxemburg sagte, daß die Amerikaner bereits 4 km vor Bonn und Koblenz stehen. In Köln sollen schätzungsweise 15 000 Menschen verblieben sein. Bei Breuers waren eben 2 Soldaten, sie waren freundlich. 8.3.1945, 15.00 Uhr Ich war bei einem auch hier gebliebenen Kollegen in der Niehler Straße. Als ich eben zurückkam, mußte ich meinen Hausschlüssel bei Breuers abholen, den ich dort zur Sicherheit hinterlassen hatte. Da gab es eine unangenehme Situation. 2 amerikanische Soldaten waren da und fragten nach Wein. Einer sprach gutes Deutsch, war aber sinnlos betrunken. Er bedrohte uns mit der Pistole und schoß schließlich durch die Fenster. Später schlief er ein. Der andere ging mit der Bemerkung weg, daß er seinen Kameraden später wieder abholen wolle. Das machte er auch.... 17.00 Uhr Jetzt sind wieder 4 Soldaten bei Ludwigs herein gegangen, davon auch die beiden, die bei Breuers waren. Ich höre Schießen im Hause. Da gehen 2 wieder heraus und gehen bei Broichhagen. So, jetzt folgen auch die anderen und schießen auf der Straße weiter. Sie gehen der Pohlmannstraße zu. Die beiden anderen verbleiben noch bei Broichhagen. Bei mir ist immer noch keiner gewesen. Gewöhnlich stehe ich hinter meiner verbliebenen Fensterscheibe. Wenn Amerikaner kommen, stelle ich mich an die Haustür. Achtlos gehen sie dann vorbei. (Anmerkung: Ich bildete mir ein, sie hätten dann Angst! Auch habe ich eine weiße Fahne herausgehangen, als Zeichen, daß das Haus bewohnt ist. Das haben alle noch verbliebene Bewohner gemacht.) Im Allgemeinen werden solche Wohnungen auch nicht betreten, es sei denn, daß eine amtliche Kontrolle stattfindet. Die anderen Soldatengruppen ziehen wahllos umher und suchen nach Soldatenart etwas Brauchbares für sich aus den Wohnungen zu holen. Offiziere habe ich dabei noch keine gesehen. 8.3.45, 17.45 Uhr Da kommen wieder 2 amerikanische Soldaten an. Sie bleiben vor unserem Haus stehen, sprechen miteinander, zögern noch etwas und kommen. Es sind 2 kräftige, junge und gepflegte Menschen. Ich flitze zur Tür, damit sie nicht eventuell gewaltsam aufgebrochen wird. Ich grüße und sage: Bitte? Sie beachten mich kaum und machen Anstalten durchzugehen. Ich gehe vor in die Küche. Da sehen sie das Radio. Sie zeigen darauf hin. Einer sagt auf englisch so ungefähr: Wir Radio! Ich erwiderte: Nix Kamerad wegnehmen. Ich Chef Telefon. Ich höre London und Amerika. Dann habe ich ihnen London eingestellt. Dann sprechen sie noch ein paar Wörter miteinander und gingen wieder ohne Gruß. Jetzt habe ich noch ein Schild an die Haustür angebracht: „This House is inhabited.“ (Das Haus ist bewohnt.) 21.00 Uhr Großalarm in Leverkusen. Es fällt schwer zu beschreiben und zu begreifen, daß die Verbände hier vorbeiziehen, ohne Bomben zu werfen. Ich hörte am Radio, daß auch Siegen und Betzdorf bombardiert würden. Da kommen wieder trübe Gedanken. Hätte ich doch nur Mutter noch hier, dann wären nur noch die Sorgen um die Jungens da. Und das wäre noch mehr als genug. Gleich gehe ich wieder bei Breuers in den Trockenraum zum Schlafen. Noch haben wir eine unruhige Zeit. Freitag, 9. März 1945, - 9.00 Uhr Wir haben eine ruhige Nacht gehabt. Ich habe mir etwas Kaffee (Muckefuck) aufgeschüttet und muß schlechtes Brot dazu essen. Leider ist mir auch Butter und Schmalz ausgegangen. Zu kaufen gibt es noch nichts. Es wird wohl dieser Tage was kommen. Ich habe noch was Wurst und ein Stückchen Speck. Heute Mittag mache ich mir eine Speck/Zwiebelsoße zu den Kartoffeln. Feldsalat bekomme ich von Herrn Koch. 17.00 Uhr Die Ari der Amis schießen seit einigen Stunden nach Leverkusen und Mülheim herüber Von unseren Batterien wird das Feuer erwidert. Dadurch entstehen hier und da immer wieder Schäden. Am Mittwochnachmittag erzwang die 1 amerikanische Armee bei Remagen den Übergang über den Rhein, bei schwacher Verteidigung. Soeben kamen wieder 2 Amerikaner und fragten nach Wein. Sie waren sehr höflich. Ich habe ihnen eine Flasche gegeben und dafür 22 Zigaretten bekommen. So habe ich was zum Rauchen. Das nimmt die Sorgen etwas ab Josef Enkeler ist auch auf Schleichwegen hier angekommen. Er kann sich mit seinem Schulenglisch gut verständigen und muß immer Dolmetscher spielen. Samstag, 10.3.1945 Immer noch ziehen Soldaten durch die leerstehenden Wohnungen. Wir haben heute wieder schweren Beschuß von unserer auf der rechten Rheinseite liegenden Batterien. Die Schüsse gehen meist in den Hafen, Weidenpescher Park und Niehl, wo überall Batterien der Amerikaner stehen. Viele Brände brachen aus. 3 Schüsse gingen in die Sandgrube an der Friedrich-Karl-Straße. Sonntag, den 11.3.1945 Heute war ein ruhiger Tag. Die Schießerei hat nachgelassen Durch unseren Pfarr-Rektor Steffens erhielt ich Bescheid, daß ich mich über den Stadtdechant Dr. Grosche beim amerikanischen Gouverneur melden müßte. Montag,den 12.3.45 Ich habe versucht beim Herrn Stadtdechant vorzusprechen. Jedoch war die Marzellenstraße von Militär-Polizei abgesperrt. Sie ließen keinen durch. .... Heute ist der 10.Tag " an dem die Amerikaner Köln eroberten. ... Wir liegen noch immer in der Kampfzone. Die andere Rheinseite ist noch von unseren Truppen besetzt. Nur zwischen Remagen und Königswinter hat die 1. amerikanische Armee einen Brückenkopf bis über die Autobahn Köln - Frankfurt gebildet. Täglich wird dieser mehr ausgeweitet und bildet das Sprungbrett zu der großen Offensive, die Hitler stürzen soll. Teilweise schlafe ich im Keller und auch mal im Wohnzimmer. Dies ist aber immer noch gefährlich, da unsere Truppen von Leverkusen und Mülheim aus die amerikanischen Linien, Batterien und Straßenknotenpunkte beschießen. Viele Granaten schlagen so in unserer unmittelbare Nähe ein. Diese Woche wurde so auch die Niehler Kirche beschossen und erhielt mehrere Treffer. Man vermutete sicher einen amerikanischen Beobachter im Turm. In den Gärten zwischen Gierkestraße und Rudolf-Sohm-Str. stehen amerikanische Granatwerfer, die uns auch den Schlaf rauben. Im Weidenpescher Park stehen amerikanische Batterien und schicken ihre Granaten über unsere Häuser hinweg zur anderen Rheinseite. Die Gefahren sind also noch groß. Anmerkung: In der Gierkestr., wo jetzt die großen Häuser stehen, standen 3 Granatwerfer, die über den Rhein schossen. An diese gingen wir dauernd vorbei. Sie waren sehr zurückhaltend und würdigten uns weder einen freundlichen noch eines feindlichen Blicks Die Militärverwaltung hat jetzt die ganze Rheinfront räumen lassen, das ist vom Rhein bis Bonner Str., Severinstr., Marzellenstr. In Riehl und Niehl bildet die Amsterdamer Str. die Grenze. Die Menschen suchen sich Wohnungen in leerstehende Häuser. Heute Morgen kam ein Mann in unsere Straße, bewaffnet mit einem Beil. In seiner Begleitung befanden sich 2 Frauen. Er versuchte bei König gewaltsam die Tür zu öffnen, obschon das Haus als bewohnt gekennzeichnet war. Da haben wir ihn gelüftet, und er zog wieder ab. Eine andere Frau kannte den Herrn Ludwig und wollte dort Wohnung beziehen. Sie war anständig. Da Ludwigs Wohnung zerstört ist, hat Herr Tesch ihr das Haus von Herrn Hansen zur Verfügung gestellt. Heute noch will sie mit ihrer Mutter dort einziehen. In den leerstehenden Häusern sieht es scheußlich aus. Ausländische Zivilisten und amerikanische Soldaten haben alles öfters durchsucht und durcheinander geworfen. Zerstreut liegen die sorgfältig geordneten Haussachen Wäsche, Kleider und Möbelstücke umher. Die Soldaten suchten hauptsächlich Wein, Cognac und kleine für die Soldaten brauchbare Dinge, vielleicht auch Wertsachen wie Uhren und Ringe. Den Zivilisten war darum zu tun, sich neu einzukleiden und Koffer wegzuschleppen. Auch Fahrräder bildeten für sie ein Lieblingsstück. Wie ich feststellte, schiebt jetzt die amerikanische Behörde die Ausländer ab. Ich sah Ukrainer in tadellosen Anzügen und Mädchen von Kopf bis zum Fuß neu eingekleidet stolz die Straßen passieren. Lange genug haben sie auch ihr hartes Los tragen müssen. Schade nur, daß die Versorgung dieser Menschen nicht auf legalem Wage erfolgen kann. Wenn die Zivilbehörde wieder in Tätigkeit ist, wird wohl wieder alles in geordnete Bahnen kommen. Außer den genannten Ukrainer waren viele Polen und Franzosen hier, die durch die Besatzung ihre Freiheit wiedererlangt hatten und nun teilweise ihr Unwesen trieben. Köln sieht grauenhaft aus. Berge von Trümmern liegen in allen Straßen. Nur vereinzelte können notdürftig befahren werden, so die Ringstraßen, Venloer-, Neußer-, Aachener- und Luxemburger Str. In diesen Straßen herrscht lebhafter Wagenverkehr der Amerikaner. Selten sieht man einen amerikanischen Soldat zu Fuß gehen. Benzin scheint man in Fülle zu haben. Wenn man sich dagegen das Los der deutschen Soldaten vor Augen führt, dann kann man nur sagen: „Armer Landser“. Auch das Essen der Amis ist sehr gut. Ich habe noch keinen Fall gehört, wo ein Soldat sich irgendwelche Lebensmittel angeeignet hätte. Im Übrigen ist die Haltung der Soldaten im Allgemeinen weder freundlich noch unkorrekt. Ich möchte wohl sagen, es ist ihnen eine selbstherrliche, abweisende Haltung anbefohlen worden. Diese Grundsätze werden auch im Allgemeinen befolgt. Man wird also als Zivilist kaum beachtet oder belästigt. In deutscher und englischer Sprache hängen jetzt überall Schilder. „Plündern verboten“. Köln hat jetzt einen neuen Polizeipräsidenten bekommen. Es ist der 1933 von den Nazis gestürzte sozialdemokratische Polizeipräsident Bauknecht, der von dem Gauleiter Dr. Ley mit einem Weinglas auf den Kopf geschlagen wurde. (1933) Die Bevölkerung verhält sich den Amerikanern gegenüber ruhig und freundlich. Ich glaube, es wäre schon eine Gemeinschaft, wenn die Soldaten sich darauf einließen. Nun ist es bereits 13 Uhr geworden. Ich werde mir das Essen fertig machen und denke dabei immer: Aushalten! Einmal wirst du doch auch noch einmal lachen können und im Kreis deiner Lieben glücklich sein. Sonntag, 18.März 1945, 16.00 Uhr Eben kam Johann Viehofen von Riehl und bat um Unterkunft mit seiner Frau in unserem Haus. Bis morgen Mittag, 12 Uhr, muß ganz Riehl bis zur Amsterdamer Str. und Niehl, östliche Seite Niehler Str. bis Friedrich-Karl-Str. und westliche Seite bis Nesselrodestr. geräumt sein. Dauernd sieht man Leute mit Wägelchen und Handkarren mit dem Notwendigsten beladen über die Friedrich-Karl-Str. ziehen. Hoffentlich müssen wir nicht auch noch das Heim verlassen. bei Friedrichs, Hansen und Heinz sind schon Familien eingezogen. Ich wäre gern für mich allein geblieben, aber in dieser Notzeit muß Hilfe gewährt werden. Wie unser Rundfunk berichtet, wurden 4 Majore und 1 Oberleutnant vom Hitlerregime zum Tode wegen Feigheit vor dem Feind oder schwerem Dienstvergehen verurteilt. An 4 Offizieren ist dies bereits vollstreckt worden. Den Offizieren wurde zur Last gelegt, daß sie die Rheinbrücke bei Remagen nicht rechtzeitig hatten sprengen lassen. Hierdurch wurde es den Amerikanern möglich, ohne Widerstand die Brücke zu passieren und durch Einsatz von schnellen Panzer und Infanterie einen Brückenkopf über den Rhein zu bilden. ... Montag, den 19.3.1945, 20 Uhr ... Bis heute hat sich hier noch wenig geändert. Noch liegen zwischen den Häusern der Gierkestr. und Rudolf-Sohm-Str. die Amerikaner mit ihren 4 Granatwerfern. Die uns gegenüber liegende Rheinseite ist noch von unseren Truppen besetzt. Ab und zu werden Salven ausgetauscht. Die Amis senden aber auf einen deutschen Schuss einen hohen % Satz mehr herüber. Die leerstehenden Häuser werden noch immer besucht. Diese Woche hat man viele Matratzen herausgeholt. Sonst werden wir nicht von Soldaten belästigt. Gestern sind die Amerikaner mit 1300 Lastensegler, Sturmbooten und 30 000 Mann in 2 Stunden bei Wesel und Rees über den Rhein gegangen und haben dort Brückenköpfe errichtet. Jetzt wird wohl bald die große Schlacht um den Rest des deutschen Gebietes beginnen. Der Brückenkopf Remagen erstreckt sich z. Zt. von Engers bis etwa 20 km von Deutz. Einen dritten Brückenkopf haben die Amerikaner bei Mainz errichtet. Ein kleiner Teil unserer geschlagenen Armee hält noch einen kleinen Raum des linken Rheinufers in der Pfalz besetzt. Die völlige Aufreibung dieser Truppen wird aber auch in paar Tagen erfolgen. Schade um jedes Menschenleben, das doch für einen verlorenen Krieg sterben muß. Stimmung nach Mittag. In Kartoffeln zu wenig Salz, Breitlauchgemüse zu matschig, Fleischsoße ein Mehlklumpen Ich habe ein Butterbrot gegessen, und denke: Lieber Gott, lass doch bald wieder Frau und Kinder ins Haus einkehren! Aber wie oft muß ich noch beim Eintritt in die Küche sagen: Guten Tag Änn, Tag Jungens und sehe doch keinen als nur die Bilder Karfreitag, 30.3. 1945, 18.00 Uhr Vor wenigen Minuten erschienen bei Tesch 4 amerikanische Soldaten an der Haustür. Ich erklärte ihnen, daß Herr Tesch zur Kirche sei. (Anmerkung: Ich wollte damit verhüten, daß die Haustür nicht gewaltsam wie in anderen Fällen gewaltsam geöffnet wurde.) Dann kamen sie zu mir. Sie sahen das an unserer Haustür angebrachte Schild "Off Limits" (Beschränkter Zutritt), das vom Militär Gouvernement ausgestellt war. Zuerst wurden sie stutzig. Dann aber ging einer von ihnen an mir vorbei zur Küche. Ich ging ihm nach. Die anderen folgten. Er ging zum Radio hin und wollte es nehmen. Ich wehrte ihn mit meinem Arm unbeabsichtigt so ab, daß er gegen den Küchenherd flog und sagte ihm auf gebrochenem Kölsch/Englisch, daß er ihn nicht mitnehmen sollte. Ich wäre für das Gouvernement am arbeiten. Ein anderer nahm die Maschinenpistole in Anschlag. Zuerst ließ er auch davon ab. Dann aber sprach ein anderer auf ihn ein. Trotz meines weiteren Einspruchs nahm er das Gerät an sich und würdigte mir keine Antwort. Beim Herausgehen nahm der letzte von ihnen seine Hand an die Pistole und ließ mich nicht aus den Augen, bis er die Haustur hinter sich zuschlug. Ich öffnete sofort wieder die Tür und beobachtete, wie sie zur Pohlmannstr. gingen. Man kann da nichts machen. Morgen werde ich die Angelegenheit beim amerikanischen Oberst vorbringen. Ich bin mal gespannt, wie er sich dazu stellt...... Karsamstag, den 31.3.1945 Heute hatte ich bis 17.00 Uhr Dienst. Als ich nach Haus kam, hörte ich, daß die Bewohner unseres Häuserblocks einen aufregenden Tag hinter sich hatten. Heute Morgen war ein Räumungsbefehl gekommen. Innerhalb von 2 Stunden sollten alle Bewohner ihre Wohnungen geräumt haben. Nun ging die Wohnungssuche los. Die meisten hatten auch eine solche [am] Drosselweg, Niehler Kirchweg und Niehler Str. in leerstehenden Häusern gefunden. Schnell wurde das nötigste Hab und Gut auf Handwägelchen und ähnlichen Verkehrsmittel geladen und zur neuen Wohnung gefahren. Noch während dieser Arbeiten wurde die Zeit bis 2 Uhr, dann bis18 Uhr und später sogar bis 19 Uhr verlängert. Nun war Zeit vorhanden, alles bewegliche Gerät und Gegenstände mitzunehmen. Oft fuhren so die Bewohner zur neuen Wohnung und zurück. Gegen 14.30 Uhr wurde plötzlich die Sache abgeblasen und der Rücktransport konnte beginnen. Vergeblich war die mühselige Arbeit, Arbeit, Enttäuschung und Tränen der Frauen. Herr Breuer hatte im dritten Haus der Stegerwaldsiedlung in der Niehler Str. ein Haus gefunden. Er hatte sich das Unterhaus genommen und für mich die 1.Etage freigehalten. Er hatte schon alles fortgeschafft und wollte mir beim Umzug helfen. Auch Herr Tesch hatte schon für mich eine Wohnung bereitgehalten. Ein Glück, daß es nicht soweit gekommen ist. Eine Garantie, daß wir unsere Wohnungen behalten können besteht aber immer noch nicht. Immer noch stehen die Granatwerfer in unserer Straße. Demnach befinden wir uns noch immer im Frontgebiet. Zwischen Düsseldorf und halbwegs Bonn ist das rechte Rheinufer noch von unseren Truppen besetzt. Diese sind jedoch von einer Einkesselung stark bedroht. Der Kessel geht über das nördliche und östliche Ruhrgebiet und erstreckt sich über Emmerich, Münster, Dillenburg, Altenkirchen zum Rhein. Ich weiß nun nicht, ob Mutter schon bei den Amis ist, oder ob sie die schweren Tage des Wartens noch vor sich hat. Dies ist meine größte Sorge. Au, Wissen und Scheuerfeld sind als besetzt gemeldet worden und Siegen als bedroht. Es wäre ja möglich, daß die Amis sich einen Weg durch das Siegtal gebahnt hätten in Richtung Siegen. Dann wäre Katzenbach ja mit eingenommen worden. Heute habe ich auch ein neues Radiogerät von einem Nachrichtenoffizier bekommen. Ich hatte ihm heute morgen sofort die Sache vorgetragen. Es tat ihm sichtbar leid, daß sich die Soldaten so benommen hatten. Er sagte: „Beruhigen Sie sich, Sie bekommen von mir ein neues Radio!“ Schon nach einer Stunde, als wir von einer Fahrt zurückkamen, wurde mir dasselbe ausgehändigt. Jetzt halte ich es versteckt und höre eben nur noch abends und morgens früh. |
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Ostern,1.April 1945, 20.00 Uhr Ein trauriger Tag ohne jeden Freudenstrahl. ...Ich habe nicht viel Essen können. Fleisch hatte es diese Woche nicht gegeben. Es soll nächste Woche was herein kommen. Aber das ist alles nicht was einen bewegt.-- Ich hatte das Schreiben unterbrechen müssen und mußte mich auf den Boden legen. Amerikanische Soldaten kamen hier um unser Haus und schossen. Sie waren jedenfalls betrunken... Wäre doch diese gefährliche Zeit vorbei. Wir leben hier in dem Block so in Spannung und Unruhe, weil die hier liegende Batterie alle 8 Tage eine neue Ablösung bekommt. Die Soldaten kommen jedenfalls von der Front. Die ersten Tage gehen sie dann durch die so oft durchwühlten Häuser und halten uns dauernd in Atem. Wenn das noch länger anhält, wäre es besser, wenn man in aller Ruhe alles auflädt und eine andere Wohnung nimmt, die etwas abgelegener liegt. Dies werde ich morgen mal mit Herrn Breuer besprechen… Montag, den 2. April 1945, 10.00 Uhr Ich bin vom Dienst nach Haus gekommen, bin erkältet. Unter anderem habe ich auch noch ein dickes Backen, als Überbleibsel heftiger Zahnschmerzen, die e nun Gott sei Dank ein Ende gefunden haben. Ich glaube, ich habe Fieber und lege mich ins Bett. Dienstag, den 3.April 1945 Ich konnte noch nicht zum Dienst gehen, bin aber besser. Eine Freude hatten heute – wir - die Zurückgebliebenen, als wir sahen, daß die Amis aus unserem Block abgerückt sind. Anscheinend kommen sie nicht mehr wieder. Ich war eben mal in der Rudolf-Sohm-Str. Ein Gräuel der Verwüstung herrscht in den Häusern von Behrend, Paulus, Steinborn und anderen mehr. Unseren alten kleinen Huthapparat fand ich bei Behrend im Badezimmer kaputt und ohne Röhren vor. Der Lautsprecher ist nirgendwo zu finden. In einer Kiste bei Steinborn lagen viele Radioröhren. Ein halbes Dutzend, die mir noch gut erschienen, habe ich mitgebracht. Ja, man darf nicht denken. Man fragt nach Moral, wenn man den zurückgelassenen Zustand in und außerhalb der Häuser sieht. Aber schließlich ist es doch Soldatenart. Die unseren waren ja bestimmt nicht besser, wie es uns von dem Erlebten in Esch noch genügend bekannt ist. Die Nazis haben alles auf ihr Konto zu buchen…… Mittwoch, den 4. April 1945 - 12.30 Uhr ... Der Rundfunk sagte heute, daß Mudersbach erobert sei. Damit habe ich nun endgültig die Gewissheit, daß auch Katzenbach in amerikanischen Händen ist.... Die Front steht bald im Herzen Deutschlands. Die noch in Holland stehenden deutschen Truppen stehen in Gefahr, eingekesselt zu werden. Zwischen Lippe, Sieg und Rhein sind etwa 160 000 Soldaten eingeschlossen. Die Amis ziehen den Ring immer enger. Ihre Armeen stehen schon hinter Osnabrück, Herford, Bielefeld, Kassel, Münden, Gotha, Würzburg, Karlsruhe. Die Russen haben Preßburg erobert und stehen vor Wien. Aber immer soll weiter gekämpft werden, nur um das Leben der Naziführer noch ein paar Tage länger zu erhalten. Sinnlos ist dieser Kampf…. Jetzt ist es inzwischen Samstag, 7.3.1945, 13.oo Uhr geworden. Ich bin wieder hergestellt und gehe Montag wieder zum Dienst. Man kann es auch Arbeit nennen. Denn noch steht nicht fest, als was wir geführt werden, als Beamter oder Arbeiter. Über eine Entlohnung oder Art derselben haben sich die Amis noch nicht geäußert. Die vollständige Regelung wird wohl später die Zivilverwaltung regeln. Vorläufig ist es auch meine Sorge nicht. Die Hauptsache im weltlichen Geschehen ist, daß die Nazis im Sterben begriffen sind. Was würde auch sonst aus der Welt geworden sein. Ein einziges Zuchthaus und Konzentrationslager wäre sie, in dem die Nazis aus der Junkerschule kommend, ihre Peitsche über die versklavten Völker schwingen würden. Frei wollen wir wieder sein und ein 3 Parteienparlament fordern. Ein Staatsgebilde mit einer außerordentlichen Gerichtsbarkeit und einem freien, geheimen Wahlrecht. Nicht noch einmal darf einem Menschen mit wahnsinnigen Ideen die absolute Herrschaft über ein Volk gewinnen. Denn nur diesem Menschen ohne Gewissen, Adolf Hitler, haben wir alles Elend zu verdanken. Aber nun bin ich wieder in der Politik, dies will ich doch nicht. Ich will doch nur erzählen von Haus und Hof und Garten und von Ereignissen, die sich in Abwesenheit meiner Lieben abspielen. ... Bis jetzt habe ich Hansens Garten umgegraben und alles Notwendige gesät. Auch unseren Schrebergarten, der mir im vergangenen Sommer zum 2.mal durch eine Luftmine vollständig zerstört wurde, habe ich bald wieder in Ordnung. Umgegraben habe ich bereits den ganzen Garten. Eine Seite habe ich gestern mit Frühkartoffeln bepflanzt. Die andere Hälfte geben Spätkartoffeln. In Böhms Garten habe ich vor, Bohnen zu setzen und Gemüse zu pflanzen. Das Errichten eines neuen Gartenzaunes und Gartenlaube soll meine Arbeit in den nächsten Monaten sein. Unser Hausgarten hat auch seinen Putz erhalten. Ich habe ihn vorige Woche von allem Unrat und Folgen des Kriegsgeschehens befreit. Sogar eine neue Bank habe ich organisiert. Unser schöner Pfirsichbaum wie auch der Pflaumenbaum stehen in herrlicher Blüte. Die Kirschbäume tragen reichlich weiße Knospen.... Gestern Mittag habe ich wieder mal für 10 Minuten im Keller gehockt. Unsere Truppen schossen von der anderen Rheinseite paar Hundert Granaten aus Granatwerfern in unsere Siedlung. Es sind Dinger, die eine Länge von 30 cm und einen Durchmesser von ca. 5-6 cm haben. In Breuers Garten wurde ein Bäumchen abgeschlagen. Eine Granate steckt noch im Dach von Kievers Haus. Sonst sind sie alle in die Straße oder in den Gärten oder im Feld eingeschlagen Sonntag, den 15.4.1945 - 9.00 Uhr Stimmungsbild: Ich bin aus der hl. Messe gekommen. Die Küche ist schön geputzt. Ich habe gestern Abend noch tüchtig "Küchenputz" gehalten. Die anderen Räume sehen leidlich aus. Ich habe zu viel Arbeit. Vor mir auf dem Tisch steht das Radio, das ich von dem amerikanischen Kapitän als Ersatz für das mir von den Amis-Soldaten gemaustes bekommen habe. Frische Blumen hängen über den Bildern meiner 3 Lieben. Dahin gehen auch wieder meine Gedanken, bei Tag und öfter bei Nachtzeit, wenn ich aufwache. Ich muß mich aufrecht halten. Jetzt winkt ja bald die Hoffnung auf das liebe Wiedersehn. Wenn ich nur die Gewissheit hätte, daß ihr alle gesund das Kriegsgeschehen bestanden hättet. Am anderen Rheinufer stehen noch immer unsere Truppen und halten einen kleinen Raum zwischen Düsseldorf, Wipperfürth, Waldbröl, Bergisch Gladbach von da südwestlich in Richtung Porz. Gestern Morgen haben die Amis von Niehl aus die Deutschen mittels Lautsprecher zur Aufgabe des Kampfes bewegen wollen. Ohne Erfolg. Es scheinen auf der anderen Seite fanatische Naziführer noch mehr Blut sehen zu wollen. Die amerikanischen Armeen stehen jetzt vor Hamburg, Chemnitz, Halle, Dessau und sind weiter über die Elbe hinweg in Richtung Berlin vorgestoßen. Sie befinden sich noch ungefähr 70 km von der Reichshauptstadt. Der Russe steht immer noch an der Oder. Man erwartet jede Stunde seine Offensive gegen Westen. Wien hat er bereits vor 2 Tagen erobert. Gott sei Dank geht so bald die Naziherrschaft zu Ende. Ich höre hinter mir das Wasser rauschen und will jetzt frühstücken. Dann will ich unsere Einmachgläser, Kartoffeln und Wäsche wieder ausgraben. Hoffentlich haben sie den Krieg in der Erde gut überstanden. Für heute Mittag habe ich den Kochtopf schon gestern Abend vorbereitet. Es gibt Spinat und Kartoffeln. Den Spinat hatte ich mir aus der Stadt mitgebracht. (8 Pfund) Diese Woche gab es zum ersten Mal nach der Besetzung ½ Pfund Schweinespeck und ¼ Pfund Margarine. Die Lebensmittelkarte enthält wöchentlich 1500 gr. Brot, 25o gr. Fleisch, ¼ Pfund Butter oder Margarine. Jetzt stehen auch unsere Sauerkirschen in voller Blüte. In meinem Garten habe ich schon tüchtig gearbeitet. Hauptsächlich werden Kartoffeln, Erbsen Bohnen und Möhren gepflanzt. (Anmerkung: Die Bepflanzung der Gärten der abwesenden Bewohner erfolgte auf Anordnung der amerikanischen Behörden, um die Ernährung sicherzustellen. Die betreffenden Familien werden sich ja freuen, wenn sie eines Tages zurückkehren können.) ... Die Grenze bildet immer noch der Rhein und die Militärringstr. Trotzdem sind schon viele zurückgekommen. Auf Schleichwegen versuchen die Leute über die Militärringstr. die Stadt zu erreichen. Die Fahrt über den Rhein ist schon schwieriger. Für eine Überfahrt über den Rhein mit einem Kahn lässt man sich 50-70 M bezahlen. In unserer Straße sind heute Megers wiedergekommen. Tini Klasen war schon vorige Woche aus der Eifel gekommen und ist vorgestern wieder hin gefahren. Sie will versuchen, ihre Eltern zurückzubringen. Ich kann leider persönlich noch nichts unternehmen, da ich nicht aus dem Dienst bleiben kann. Es würde mir das Brot und Stellung kosten. Da denkt man wieder an die Familie und lässt es bleiben In diesen Tagen wird nahe der zerstörten Hängebrücke eine Notbrücke errichtet. Nach deren Fertigstellung wird der Zeitpunkt nahe sein, wo auch ich die Mutter wieder zurückholen kann, worauf ich mich sehr freue. In dem großen Kessel sind 317 000 Deutsche in Gefangenschaft geraten. Eine solche hohe Zahl hätte ich nicht erwartet. Jetzt stehen die Alliierten in den Vororten von Berlin, vor Lübeck und Dresden. Hamburg hat man umgangen. Nürnberg ist gefallen. Die Russen und Amerikaner stehen im Raum von Dresden nur noch 30 km auseinander. Noch immer macht Hitler keinen Schluß. Sein verbrecherisches Spiel will er bis zum letzten auskämpfen und opfert in seinem Wahnsinn immer mehr Soldaten. In den von den Nazis eroberten Konzentrationslagern soll es fürchterlich aussehen. In früheren Jahren sickerte immer was durch über die grausame und viehische Behandlung von ausländischen und deutschen Menschen, die von Hitlers SS gefoltert wurden. Aber die jetzigen Funde übersteigen all das, was man bis jetzt erfahren konnte. Hoffentlich ist der Blutrausch der Nazis bald zu Ende, damit die Welt wieder ihren Frieden findet. Dann besteht auch die lang ersehnte Hoffnung, daß man seine Lieben bald wieder sieht. Heute habe ich den ganzen Nachmittag im Garten gearbeitet und will mir jetzt einen Kuchen backen. Dazu muß ich aber das letzte eingelegte Ei gebrauchen, Butter hat es diese Woche wieder keine gegeben, nur 3 Pfund Brit, 62 ½ Gramm Fett und 150 Gramm Fleisch. Mein Gewicht ist von 198 Pfund auf 160 zurückgegangen. Seit einer Stunde bin ich wieder in guter Stimmung. Denn gegen 20 Uhr kam Jupp Enkeler von seiner Schwarzfahrt zurück. Er brachte mir die freudige Nachricht, daß Mutter noch gesund ist und bereits seit Mittwoch die Heimreise zu Fuß angetreten hat. Der Junge aus dem Quartier in Katzenbach hat Ihr ein Wägelchen gezimmert, auf dem Sie Ihre Wäsche und Bekleidung sowie Lebensmittel untergebracht hat. Es wird ja eine beschwerliche Reise geben. Das Wetter ist augenblicklich nicht gerade günstig. Es ist naß und kalt. ...die Stimmung der Frauen wäre niedergeschlagen. Das Bild hätte sich aber spontan geändert, als er angekommen und Gutes von der Heimat berichten konnte. Im Augenblick wären die Frauen vom Reisefieber erfaßt worden. Noch am selben Tag wurden die Koffer gepackt und sich reisefertig gemacht. Am anderen Morgen ist denn Jupp mit ihnen gefahren, bis sie auf dem rechten Weg über Kirchen nach Wissen waren. Dann mußte er Abschied nehmen, um nach lmmekeppel zu fahren. Dort befand sich sein jüngere Bruder Ulrich, mit dem er nun in Köln ankam. Nun bin ich froh, daß bald mein Wunsch erfüllt wird und das Junggesellentum ein Ende findet. ... Politisch sieht es doch bald so aus, als wenn der Krieg sich rasch dem Ende nähern würde. Von schweren Schlachten kann nun keine Rede mehr sein. Wer von unseren Truppen Gelegenheit hat, läuft über. Das ist auch das einzig Richtige. Lange genug hat der Krieg gedauert. Jeder muß wohl heute wissen, daß der Krieg verloren ist und jedes Opfer nutzlos ist. |
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Hurra, nun ist die Mutter hier angekommen, zusammen mit Tante Trina und Theo, Tante Traudchen mit Elisabeth. Jeder hatte sich ein Wägelchen anfertigen lassen, die mit Koffern schwer beladen waren. Alle hatten auch die Füße durchgelaufen und waren froh, sich was ausruhen zu können. Eine Reiseschilderung muß Mutter mir noch geben. Sie hat die 120 km lange Strecke gut überstanden und sieht frisch und froh aus. Nun freut sie sich auf den Hausputz, der Ihrer wartet…….. |