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Köln-Riehl, 01. Januar 1941 Jetzt, nachdem wir uns fast 1 Jahre im Krieg befinden, will ich dazu übergehen, alle kriegerischen Ereignisse in einem Tagebuch festzuhalten. Besonders habe ich vor, die Begebenheiten, die durch Einwirkung feindlicher Luftangriffe entstehen, zu schildern. Nachdem die Heere Hollands, Belgiens und Frankreichs so schnell besiegt wurden, ist im Jahre 1941 ein großes Ringen zwischen dem siegreichen deutschen Heer und dem noch unbesiegten England zu erwarten. Allgemein glaubt man, dass im Frühjahr ein noch nie da gewesenes Bombardement sich über England ergießt, dem dann eine Invasion folgen soll. Andere sprechen von einer bevorstehenden Besetzung Irlands, um so dem Feind wieder einen Sprung näher zu sein. Denn, so glaubt man allgemein, wird das Mutterland England in diesem Sommer nicht von Deutschen Truppen besetzt, dann stehen auch den Deutschen Städten noch schwere Stunden bevor. Denn alles Kriegsmaterial, was der Kanzler Englands „Churchill“ haben will, wird ihm sein Freund, der amerikanische Präsident Roosevelt liefern. Fast ein Dutzend Städte Englands sind durch Masseneinsatz unserer Flieger schwer mitgenommen worden. Noch haben wir die große Übermacht in der Luft. Nur ein verhältnismäßig geringer Schaden ist bisher durch feindliche Bomben in Deutschland verursacht worden. Am schwersten sind Wilhelmshaven und Bremen betroffen worden. Köln hat bis jetzt keine großen Schäden davongetragen. Trotzdem feindliche Flieger uns oft stundenlang in Atem hielten, wurden nur verhältnismäßig wenig Bomben geworfen und dabei Gebäude getroffen. Bedeutend waren die Schäden, die durch Abwurf von Bomben im Perlengraben, Friedenstr. und Martinsfeld abgeworfen wurden. Auf dem Perlengraben vor der Friedenstr. bis Waisenhausgasse waren die meisten Fenster zerschlagen. Ebenso in der Friedenstr., wo verschiedene Häuser Volltreffer erhielten. Überall waren viele Fensterrahmen und Rolläden verbogen und zersplittert. Was nicht direkt von Splitter getroffen, war durch den gewaltigen Luftdruck aus allen Fugen gerissen worden. Überall flatterten zerfetzte Gardinen aus den fensterlosen Gebäuden. Die Zahl der Toten wurde nicht bekannt gegeben. Hierüber wird das Kriegsende wohl erst genaue Angaben machen. In der betreffenden Nacht, wo die Zerstörung der Restauration in der Pferderennbahn erfolgte, war schon am späten Abend Fliegeralarm gegeben worden. Der Feind war über Köln weg nach Südosten geflogen. Nach längerem Warten gingen wir zu Bett, in der Annahme für Köln wäre jede Gefahr vorbei. Nach früheren Erfahrungen war das auch anzunehmen. Denn immer, wenn ein Fliegeralarm erfolgte, ging ich zur Beobachtung an die Haustür oder an ein Fenster. Sobald ein Geräusch von Flugzeugmotoren zu vernehmen war, deutete ich dies meiner Familie als erhöhte Bereitschaft an. Falls sich der Feind nun unserem Stadtteil näherte und eine Gefahr nahe lag, ging es sofort in den Keller, wo wir wenigstens gegen Splitterwirkung sicher waren. Unerwartet kam jedoch der Feind zurück, nachdem wir kaum eine Stunde die Betten aufgesucht hatten. Im Halbschlummer hörte ich plötzlich die hinter der Boltensternstr. stehende FLAK böllern, vernahm das Motorengeräusch über unseren Dächern und gleich darauf das Heulen einer niedersausenden Bombe. … Dann erfolgte die Detonation der Bombe. Dies alles spielte sich in wenigen Sekunden ab. Dann war alles ruhig. Kurz darauf erfolgte die Entwarnung, als Zeichen, dass die Gefahr vorüber war, und wir ruhig schlafen konnten. Luftalarm 158 Nach verhältnismäßig langer Pause heulen jetzt,
20.30 Uhr, wieder die Sirenen.... Nach 5 Minuten hörte man die
ersten Schüsse von einer entfernt liegenden FLAK. Schneller kam das Rollen
näher und steigerte sich zu einem Trommelfeuer. Der Feind flog Köln an und
die Batterien der FLAK,
Jäh wurden wir um 22.30 Uhr aus dem Schlaf gerissen. Man glaubte, die Hölle wäre los. Schwere und leichte FLAK waren wieder tätig. Dazwischen vereinzeltes Maschinengewehrfeuer. Über unseren Dächern brausten in niedriger Höhe feindliche Maschinen. Nach einigen Minuten wagte ich mich ans Fenster, um Ausschau zu halten, ob für Köln ein Angriff geplant war. Jetzt sah ich die Geschosse der FLAK vermutlich über dem Zentrum der Stadt Flak-Feuer über Köln...* .. krepieren. Dies war für mich ein Zeichen dafür, dass sich dort auch der Feind aufhalten musste.... Öfter wurden wir noch im Schlaf aufgeschreckt, bis endlich 02.00 Uhr morgens die Entwarnung kam. Heute wurde bekannt, dass vom Feind folgende Gebäude getroffen wurden: In der Herzogstr. das Scalatheater, in der Probsteingasse die Möbelspedition Zimmer, in der Kalker Hauptstraße die chemische Fabrik und der Baseler Hof in der Johannisstrasse. Überall gab es Tote und Verletzte. Im Baseler Hof sollen gerade die Familien betroffen worden sein, die in Folge eines Fliegerangriffs vom Dezember 1940 in der Hahnenstr. wohnungslos geworden sind und im Baseler Hof Notwohnungen bezogen hatten. Eine schwere Fliegerbombe grub sich in den Vorplatz des Hauptbahnhofes ein und blieb als Blindgänger liegen. Hierdurch konnte der Verkehr nur durch den Ein- und Ausgang Maximilianstraße erfolgen. Heute erfolgte die Sprengung des Blindgängers Fliegeralarm 159 von 20.10 Uhr - 21.40 Uhr Tiefe Regenwolken ziehen langsam über Köln hinweg. Ich bin gerade bei einer befreundeten Familie, Heinrich Ludwig in Nr. 45, und gemeinsam hören wir die Abendmeldungen um 20.00 Uhr. Plötzlich wird der Nachrichtendienst unterbrochen. Das war für uns ein Zeichen, dass feindliche Flieger die deutsche Grenze überflogen hatten. Es dauerte auch nur ein paar Minuten, dann ertönten die Sirenen.... Ein paar mal überkreisten die Flieger den Westen und Norden Kölns, ohne jedoch scheinbaren Schaden anzurichten. Nach einer längeren Pause, in der kein Geschützfeuer mehr zu hören war, erfolgte um 21.40 Uhr Entwarnung. Fliegeralarm 160, 22.15 Uhr - 23.05 Uhr am gleichen Abend Wir standen im Begriff zu Bett zu gehen, als wir von dem Heuen der Sirenen überrascht wurden. Also wieder runter in die Küche. Auch die Frau Nachbarin erscheint wieder. Der Abend verlief jedoch ruhig, nur hörte man von weitem das Rollen des Geschützfeuers. Nach allgemeiner Ansicht und Erkundung waren in der vorangegangenen Nacht in Köln selbst keine Bomben gefallen. Nur in Dormagen, wo sich ein chemisches Werk befindet, soll ein Brand ausgebrochen sein. Was getroffen ist, war nicht zu erfahren. Heute Nachmittag sprach in einem Betriebsappell der Kreisleiter der NSDAP, Alfons Schaller. Er war sehr optimistisch über den Ausgang des Krieges eingestellt. Unter anderem sagte er, dass der Krieg in diesem Jahre sein Ende finden würde. Der Schlag gegen England könnte noch ein paar Monate dauern, vielleicht nur noch Wochen. Das Eine wäre aber bestimmt, nämlich, dass am Jahresende niemand mehr vom Krieg sprechen würde. Auch gab er einige Absichten über die Neugestaltung Westeuropas kund. Er betonte, dass das Deutsche Volk diese Absichten kennen müsste, aus besonderen Gründen brauche nur das Ausland hierüber noch nichts zu erfahren. Der Name Holland wäre für uns verschwunden. Jetzt würde nur noch von den Niederlanden gesprochen. In Bezug auf Belgien unterschied man noch zwischen Flamen und Wallonen. Diese Völkerstämme hätten einmal schon zu Deutschland gehört und würden nach dem Kriege wieder zurückgeführt. Betreff Selbstbestimmungsrecht der Völker, wie dies in den 25 Punkten des Parteiprogramms der NSDAP aufgestellt ist, würde die Auslegung nur von Nationalsozialisten erfolgen. Das Ausland könnte da nicht mit hereinreden. Weiter deutete der Redner darauf hin, dass gewisse Gebiete in Ostfrankreich und der Schweiz nach dem Siege ein anderes Bild bekämen. Heute Nachmittag haben wir mit der bei uns zu Besuch weilenden Tochter Gerta, meiner Schwester Agnes einen Spaziergang nach dem Rhein und der Stadt unternommen. Dabei führte unser Weg auch an dem im Bericht vom 09.01.41 erwähnten Baseler Hof, einem großen Hotel, vorbei. Die Bombe war anscheinend in das hintere Gebäude eingeschlagen. Die Fenster waren zerschlagen und die Räume lagen voller Schutt. Die angrenzende Hermannstraße, eine kleine Straße mit etwa 20 Häusern, war von beiden Seiten abgesperrt. Die Bewohner waren ausquartiert worden und anscheinend waren Handwerker dabei, die sehr mitgenommenen Häuser instand zu setzen. Verschiedene sind wohl gänzlich dem Abbruch verfallen. Heute, am Jahrestag, da Adolf Hitler Reichskanzler wurde, hielt dieser eine große Rede im Rundfunk. In derselben brachte er den Willen zum Siege zum Ausdruck. Noch das Jahr 1941 soll die Erneuerung Europas nach vollendetem Sieg über England bringen. Seinen Worten konnte man entnehmen, dass eine Invasion auf England verwirklicht wird. |
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Fliegeralarm 161, 20.30 Uhr - 22.00 Uhr Wie gewöhnlich bei der winterlichen Kälte finden wir uns wohl bei der gemütlichen Wärme des Kachelofens. Da gehen nun plötzlich um 20.30 Uhr mal wieder die Sirenen los. Nach einigen Minuten hören wir in der Ferne Schüsse schwerer Flak-Batterien, die aber bald wieder verstummen. Nach längerer Pause hörten wir wieder Schüsse aus nordwestlicher Richtung fallen, dazwischen das Herannahen feindlicher Flugzeuge. Aber immer wieder drehten dieselben ab und kamen nicht in den Bereich der Stadt Köln. Ihr Endflug galt sicher einem anderen Ziel. Um 22.00 Uhr kam die ersehnte Entwarnung. Wie aus dem heutigen Wehrmachtsbericht hervorgeht, wurden in der letzten Nacht in Düsseldorf Stadtmitte, Wohngebäude durch feindliche Bomben zerstört. Fliegeralarm 162, 22.40 Uhr - 23.00 Uhr Durch das Geheul der Sirenen wurden wir aus dem Schlaf geweckt. Anscheinend änderten die Flieger ihren Kurs und flogen Köln nicht an. So konnten wir ruhig weiterschlafen, ohne in der Nacht noch einmal gestört zu werden. Fliegeralarm 163, 21.00 Uhr - 23.10 Uhr Auch dieser Alarm ging vorüber, ohne dass sich etwas Wesentliches zugetragen hätte. Zwar wurde von allen Ecken verschiedene Mal heftig geschossen, aber es ging alles ohne Schaden ab. Gegen 22.00 Uhr legten wir uns zur Ruhe, da eine Zeitlang vorher schon alles ruhig blieb. Im Halbschlaf wurde ich noch einmal von dem Enttarnungssignal aufgeschreckt. Ein Blick auf die Uhr – 23.10 Uhr. Also Licht aus und geschlafen. Fliegeralarm 164, 06.15 Uhr - 07.20 Uhr .... Auf einmal ertönte wieder das uns nicht erwünschte Warnsignal, was uns natürlich den weiteren Schlaf raubte... Kein Flugzeuggeräusch kündete uns jedoch ein Herannahen der unerwünschten Besucher... Es trug sich nichts Außergewöhnliches zu, bis 07.20 Uhr die Entwarnung folgte. Am selben Tag... Fliegeralarm 165, 21.00 Uhr - 0.25 Uhr Es war ein schöner sternklarer Himmel. Natürlich sprechen wir an dem Abend von der Möglichkeit eines Besuches. Dieser ließ auch nicht lange auf sich warten. Schon um 21.00 Uhr gingen die Sirenen wieder los. Schnell darauf hörten wir aus der Ferne Schüsse der FLAK. Dann kamen die Flugzeugmotorengeräusche näher und der Kampf zwischen Flieger und FLAK setzte ein, aber etwas sind wir nun schon gewöhnt und auch so was kann uns die Nerven nicht rauben. Immer wieder kreisten die Flieger die nähere Umgebung ab. Öfter traten Pausen ein, die sehr langweilten. Todmüde legten wir uns gegen 23.30 Uhr in die Falle, das Weitere dem Herrgott überlassend. Um 0.25 Uhr kam die Entwarnung. Erst heute erfuhr ich im Dienst von einem Kameraden, dass doch einiger Schaden angerichtet wurde. In der Hachenbergstraße in Nippes waren Sprengbomben gefallen. Verschiedene Blindgänger lagen auf der Straße. 350 Personen mussten ihre Häuser verlassen, nur das aller notwendigste mitnehmend. Ebenfalls wurden Häuser auf dem Königin-Luise-Platz beschädigt. In einem Haus schlug eine Bombe durch das Dach und verschiedene Wände, suchte sich den Weg durch eine Küche und blieb als Blindgänger , die Mauer des Hauses durchschlagend, auf der Straße liegen. Bei der Reise durch die Wohnungen war die Bombe durch den Küchentisch geschlagen, ohne jemanden zu verletzen. Der Mann lag auf dem Sofa, und die Frau stand in aller nächster Nähe, gerade einen Apfel schälend. Das konnte man Glück nennen. Fliegeralarm 166, 05.40 Uhr - 06.20 Uhr Fliegeralarm 167, 06.25 Uhr - 07.10 Uhr Also wurden 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Diesmal kamen wir auch mit dem Schrecken davon. Schüsse und Motorengeräusche waren nicht zu vernehmen. Heute wurden die Blindgänger, die ich im Bericht vom 15.02. erwähnte, in der Hachenbergstraße entfernt, und die Bewohner konnten wieder ihre Wohnungen beziehen. Alle waren behelfsmäßig, aber gut untergebracht worden und erhielten in einer Gemeinschaftsküche Verpflegung. Am selben Tag Fliegeralarm 168, 21.10 Uhr - 23.15 Uhr Es trug sich nichts Wesentliches zu. Etwas Schießerei sind wir ja gewöhnt. |
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Fliegeralarm 169, 22.00 Uhr - 01.45 Uhr Es ist ein etwas sternenklarer Himmel. Einzelne, ziemlich tief hängende Wolken ziehen bei mäßigem Wind ihre Bahn. Bei anbrechender Dunkelheit sprachen wir viel von „Fliegerwetter“. ...Nach ein paar Minuten angestrengten Horchens, heulten die Sirenen wieder. Darauf setzte auch ein immer näher kommendes Flak-Feuer ein... Von unserem östlich liegenden Schlafzimmerfenster war nichts zu sehen. Ich ging zum Fenster des Kinderschlafzimmers, welches mir einen Ausblick nach Westen und Norden gab. Was ich dort zu sehen bekam, war nicht gerade ermutigend. Denn auf der ganzen Linie, die sich von Nordost nach Westen hinzog, waren die Scheinwerfer verteilt und suchten vergebens einen feindlichen Flieger in ihre Bahn zu bekommen. Dazwischen überall das Krepieren von Flak-Granaten. Inzwischen hörte man auch deutlich die Geräusche der Flugzeugmotoren... Die Hölle war los. Vom Feind wurden Leuchtbomben geworfen. Die Flugzeuge kreisten fortwährend um und über unsere Stadt. Dabei wurden auch ständig unsere Häuser berührt. Ihre Anzahl war so groß, dass die Gefahr von einer Bombe getroffen zu werden immer vorhanden war. Auch hatte man zu befürchten, von einem auf die Erde fallenden Flak-Geschoß Schaden zu erleiden. Die meiste Zeit war es nicht möglich sich mal nach draußen zu wagen, da man sonst in die Gefahr kam, von herunterfallenden Splittern der Geschosse getroffen zu werden. Trotzdem trieb einen immer mal ein gewisses Gefühl der Neugierde dazu mal hinaus zu gehen, das Schauspiel zu beobachten. Wie leicht konnten auf unsere flachen Dächer Brandbomben fallen, die nicht sofort bemerkt wurden. Große Verheerungen konnten dieselben dann anrichten. Jedenfalls wäre ich in solchem Falle fest entschlossen, auch unter Lebensgefahr, alles zu tun, die Brandbomben unschädlich zu machen. Nach den Erfahrungen muß nämlich eine schnelle Entschlusskraft erfolgen, da sonst die Bomben, eine solch große Hitze – man spricht von 2000 Grad - erzeugen, die ein Fortschaffen unmöglich machen. Auch würde bei einem auftretendem Brand dem Feind ein Ziel zum weiteren Abwerfen von Bomben geboten sein. Bald sah man über der Stadt Feuerscheine aufsteigen. Von weitem hörten wir die Feuerwachen ausfahren, um die Brände zu löschen. Langsam färbte sich der Himmel rot, und die Brandwolken stiegen immer höher und färbten den Himmel in einer breiten Front. Und immer noch kein Nachlassen des Flakfeuers. Immer wieder das Geheul der Motoren. Der Feind brauste oft in niedriger Höhe über unsere Dächer hinweg. Alle Nerven waren angespannt. Endlich gegen 01.20 Uhr trat eine verhältnismäßig ruhige Pause ein. Langsam entfernten sich die feindlichen Flugzeuge aus unserem Gesichtskreis. Um 01.45 Uhr kam die langersehnte Entwarnung. In den Vororten Niehl, Nippes und Riehl waren keine Bomben gefallen. Noch einen Blick warfen wir auf die Brände Kölns. Dann versuchten wir langsam in den verdienten Schlaf zu kommen. ... Vom Telegraphenbauamt kam die Nachricht, dass die Fernkabel in Mülheim zerstört waren, und ich bekam den Auftrag, sofort zur Beseitigung des Schadens die nötigen Maßnahmen zu ergreifen. ... Um 18.00 Uhr waren die Arbeiten beendet und damit für mich auch der Sonntag. Bei den verschiedensten Fahrten, wobei das ganze Stadtgebiet durchquert wurde, konnte man so richtig einen Einblick bekommen, was in wenigen Stunden vernichtet wurde. Besonders in Mülheim und in den südlichen Stadtteilen waren die Schäden bedeutend. Eine Bombe hatte den Ausläufer der Mülheimer Brücke getroffen. Dieselbe hatte den Bürgersteig durchschlagen und die unter der Brücke befindliche Autogarage schwer getroffen. Dabei waren ein Teil der dort parkenden Wagen zertrümmert oder beschädigt worden. Eine zweite Bombe hatte ein Eckhaus in der Biegerstraße empfindlich getroffen und dabei auch die angrenzenden Häuser beschädigt. Keine Fensterscheibe war mehr ganz. Überall tappte man im Dunkeln über Glassplitter, die den ganzen Bürgersteig besäten. Durch den Bombeneinschlag waren an dieser Stelle auch die Fern- und Ortskabel zerstört worden, so dass keine Verbindung mehr mit Düsseldorf usw. bestand und das FA-Unteramt Mülheim außer Betrieb war. Alle Schäden zu beschreiben, ist unmöglich, und ich will nur die Straßen angeben, in denen ich persönlich Zerstörungen wahrgenommen habe: Deutz-Mülheimer-Straße, Dürener Straße, Kanalstraße, Marienburger Straße, Alteburger Straße, Maternusstrasse, Zuggasse, Zugweg, Rolandstraße E-Werk, Ofenstraße, Oberländer Ufer, Goltsteinstraße. Überall sah es sehr traurig aus. In der Marienburger Straße waren meistens Brandbomben gefallen und viele Villen waren bis auf die Mauern leer gebrannt. Dies war auch dadurch entstanden, dass die Wasserleitung zerstört war. In der Marienburger Straße waren ca. 15 Feuerwehren angetreten. Diese mussten erst ihre Wasserschläuche hintereinander gekuppelt bis an den Rhein führen, um so mittels 2 Motorpumpen das Wasser zum Löschen holen zu können. Diese Arbeit hatte eine Zeit von über einer Stunde in Anspruch genommen, so dass die Hilfe zu spät kam. In der Maternusstraße, Ecke Alteburger Straße, wurde ein Haus durch einen Volltreffer vollständig vernichtet, alle Personen unter sich begrabend. Man baute einen unterirdischen Gang, um in die Kellerräume zu gelangen. Montagmittag wurde dort noch nach Vermissten gesucht. In einer Villa am Agrippaufer, in welchem sich ein Kommando von Arbeitsmännern befand, schlug eine Bombe ein, die nach zuverlässigen Berichten 1 Offizier und 17 Arbeitsmänner tötete. In Poll erhielt eine FLAK- Stellung ebenfalls einen Volltreffer. Es waren 15 cm Geschütze. 9 Kanoniere sollen hierbei den Tod gefunden haben. Der Westdeutsche Beobachter gab heute (Montag) den Heeresbericht heraus, den ich in diesem Buch als Anlage beifüge [Anm. im Krieg verloren gegangen]. Heute, also Montag, wurden so viele Einzelheiten über die Geschehnisse erzählt, die man nicht alle wiedergeben kann. Wie schrecklich plötzlich eine Familie vom Schicksal ereilt werden kann, beweist folgender Vorfall. In der Nacht zum Sonntag wurden auch Brandbomben in das Lager der Kohlenhandlung von Trompeter und Holtz in der Alteburger Straße geworfen, wo die Firma auch Pferde untergestellt hatte. Um diese zu retten, begab sich ein dort gegenüber wohnender Mann mit seinem 17jährigen Sohn dorthin. Hierbei wurden beide von einer Bombe getroffen und zerfetzt fortgeschleudert. Man fand am Sonntagmittag einzelne Teile der Getöteten wieder, nachdem man bis dahin vergebens nach den Vermissten gesucht hatte. Während ich diese Zeilen schreibe, gehen wieder die Sirenen. Es ist wieder genau 22.00 Uhr. Nun habe ich keine Ruhe mehr für Schreibereien! Von weitem hört man schon wieder das ‚Bumsen’ der schweren FLAK. Noch eine Begebenheit: Heute sah ich das Eckhaus Maternus/Altenburger Straße. Die 2te Etage weist ein großes Loch in der Außenmauer auf. Sämtliche Fensterscheiben und Rahmen sind zerstört. Eine Bombe war schräg von außen in die Kellerräume eingedrungen und dort krepiert. 11 Frauen und Kinder wurden hierbei tödlich getroffen. Diese waren von ihren Männern aufgefordert worden, den Keller aufzusuchen. Sie selber blieben auf der Etage beim Kartenspiel und kamen alle mit dem Schrecken davon. Von dem Angriff sei noch erwähnt, dass ich 2 feindliche Flugzeuge beobachtete, die minutenlang von unseren Scheinwerfern in Sicht gehalten wurden. Ein Flugzeug flog gegen Nord/West, das andere gegen Nord/Süd davon. Das erstere besaß die Taktik oder Frechheit, mit rotem Positionslicht zu fahren, trotzdem es von einem intensiven Flak-Feuer beschossen wurde. Das zweite schoss fortwährend mit dem MG in die Tiefe. Fliegeralarm 170, 22.00 Uhr - 0.50 Uhr Wieder ist ein sternklarer Nachthimmel. Pünktlich in erwarteter Stunde ging es wieder los. Kaum, dass die Sirenen ihre Warnung ausgestoßen hatten, ging auch das Geschieße los. Ununterbrochen bis gegen 0.30 Uhr flogen die feindlichen Flugzeuge ihre Bahn, fast immer unsere Häuser kreuzend. Ihre Zahl scheint nicht so groß zu sein wie beim letzten Angriff. Dafür war aber das Heraustreten ins Freie umso gefährlicher, da dauernd ein Regen von Sprengstücken der Flak-Geschosse auf unsere Dächer und Straße herunterprasselte. Öfter ging der Feind im Tiefflug über uns hinweg, so dass man annehmen musste, jeden Augenblick wären Bomben geworfen worden. Und jedes Mal liefen wir in ein paar Sätzen in den Keller, bis die Gefahr vorüber war. Im ungeheizten Keller sich aufzuhalten hieß auch sich eine schwere Erkältung zuzuziehen. Deshalb zogen wir es vor, uns in der Küche zu wärmen. So wie dann ein Flugzeug vernommen wurde ging wieder alles husch, husch in die Tiefe. Auch diesmal blieb unser Stadtteil verschont. Nur in Ehrenfeld fielen Bomben an den verschiedensten Stellen. So wurde auch in der Wissmannstr. eine Zigarettenfabrik getroffen. Zum Leidewesen der Zigarettenraucher. Freitag, Samstag, 07./08.03.1941 Wurden wir um 01.00 Uhr durch kräftiges Klopfen aus dem Schlaf geweckt. Unser Anruf wurde durch ein Husten beantwortet. Hieran erkannte ich unseren ältesten Sohn Hans, der plötzlich als Soldat in Urlaub kam... Die Freude war groß, als er breitschultrig und mit dicken Backen vor uns stand. Fliegeralarm 171, 22.10 Uhr - 00.15 Uhr Immer wieder dasselbe Spiel wie bei den vorerwähnten Angriffen. Die Schäden waren schwerer. Betroffen wurden die Friedrichstraße zwischen Salierring und Pfälzerstraße, Salierring 52, Blaubach und Vinzenzhospital. Überall gab es Tote und Verletzte. Fliegeralarm 172, 22.15 Uhr - 01.00 Uhr Heute hatten wir Frühlingswetter. So schön wie der Tag ist auch der heutige Abendhimmel. Der Mond steht voll am Himmel, sternenklar und ohne Wolken sieht der ruhige Abend aus. Bei Beginn dieser Zeilen heulen die Sirenen. Schon 10 Minuten vorher vernahmen wir das entfernte Donnern der Flak-Geschütze, welche immer näher rückte... Alles ging gut. Über der Stadt wurden keine Bomben abgeworfen. Die Städte Neuss und Düsseldorf sollen jedoch betroffen worden sein. Fliegeralarm 173, 22.15 Uhr - 00.30 Uhr Also schon wieder pünktliches Eintreffen des Feindes. ... Kurz vor dem Alarm kamen wir in unsere Wohnung. Unsere Kinder sind schon zu Bett. Im Augenblick, da wir uns auch zur Ruhe begeben wollten, kam das Alarmsignal. Nun höre ich in diesem Augenblick wieder das Böllern der FLAK, der Feind scheint bald über unsere Häuser zu kommen. Sprengstücke der FLAK prasseln wieder auf der Straße nieder. So geht das Spiel auch diesmal wieder ohne Bombenabwurf in unserem Stadtteil zu Ende, bis wir um 0.30 Uhr den verdienten Schlaf finden. Fliegeralarm 174, 22.00 Uhr - 11.38 Uhr Es ist Mittwochabend. Der Vortag, an dem unser Hans wieder seinen Abschied nehmen muß, um nach seinem Truppenteil nach Rokizan (Böhmen-Mähren) zurückzukehren. Er ist dort 5 Monate Soldat und hat eine umständliche Adresse. Der Vollständigkeit halber will ich sie wiedergeben: Feldpost *Artillerie Vermessungs Trupp Nun sitzen wir im gemütlichen Familienkreis und feiern Abschied. Wir sprachen natürlich auch von dem Ernst der Zeit und der Lage, in der wir uns in Köln befinden. Sensationshungrig, wie die Jugend nun einmal ist, äußerte Hans den Wunsch, noch vor seiner Abfahrt Fotos von einem Fliegerangriff nach seiner Truppe mitnehmen zu können. Prompt um 22.00 Uhr sollte er seinen Wunsch erfüllt sehen. Bald nach dem Warnsignal schoß die schwere und leichte FLAK aus allen Läufen nach den anfahrenden, feindlichen Flugzeugen. ...Hans griff also nach seinem Apparat und machte von der Straße und von dem Dach unseres Hauses die gewünschten Aufnahmen. Bald nach dem Anflug sahen wir über Kalk ein großes Feuer ausbrechen. Hoch loderten die Flammen gegen den nächtlichen Himmel. Schauerlich schön war es anzusehen, wie immer wieder das nächtliche Dunkel durch Stichflammen plötzlich bis nach uns erhellt wurde. Was mag brennen? Heute Donnerstag, den 20.03.41, mussten wir schon um 04.30 Uhr aus den Betten. Der Zug fuhr bereits um 06.15 Uhr über Berlin-Leipzig-Prag. Der Abschied fiel uns leichter als das erste Mal, da wir ja wussten, wohin der Junge ging und er es als Soldat vorläufig gut angetroffen hatte. Fliegeralarm 176, 22.30 Uhr - 00.30 Uhr Heute gab es um 22.30 Uhr Alarm... Schnell trat unsere FLAK in Aktion. Die Flugzeuge kamen aus nördlicher Richtung in breiter Front angeflogen. Sie zogen aber nur verschiedene Schleifen über der Stadt und verschwanden dann wieder, um zu verschiedenen Zeiten wiederzukehren. Die Angriffsziele schienen Neuss und Düsseldorf gewesen zu sein, da wir in dieser Richtung die Scheinwerfer dauernd in Tätigkeit sahen und fortwährend in dieser Richtung geschossen wurde. |
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Fliegeralarm 177, 22.30 Uhr - 00.00 Uhr Anscheinend waren es nur wenige Flugzeuge, die unsere Ruhe stören wollten. Sie kamen aus nordwestlicher Richtung. Unsere FLAK trat mehrere Male in Tätigkeit. Es ereignete sich nichts von Bedeutung. Bomben wurden keine geworfen. Von der Ruhe beeinflusst legten wir uns schon gegen 23.15 Uhr in die Betten Fliegeralarm 178, 22.40 Uhr - 02.30 Uhr Aus tiefstem Schlummer heraus wurden wir von den Sirenen geweckt. Gespannt lauschten wir, ob der Feind schon in der Nähe war. Aber nichts war zu hören und wir fielen wieder in den Schlaf. Gegen 24.00 Uhr wachte ich durch das Geschiesse der FLAK auf und wunderte mich, dass noch immer Alarm war. Ehe ich richtig aufgewacht war, war auch schon wieder alles ruhig. Dies war für mich auch ein Zeichen, dass kein Angriff auf Köln geplant war und dass es sich um feindliche Flugzeuge handelte, die Köln nur streiften. So blieben wir also in den Betten. Noch einige Male wurden wir durch das Böllern der FLAK im Schlaf aufgeschreckt, bis dann gegen 02.30 Uhr die Entwarnung kam. Fliegeralarm 179, 23.30 Uhr - 01.30 Uhr Wir wurden im Bett von dem Alarm überrascht. Es trug sich nichts Besonderes zu und ließen uns demzufolge im Schlaf nicht stören. Fliegeralarm 180, 23.30 Uhr - 01.30 Uhr Fliegeralarm 181, 02.30 Uhr - 04.40 Uhr Zweimal Alarm in einer Nacht. Beim ersten Alarm standen wir auf, da die feindlichen Flieger in großer Breite aus Norden und Nordosten Köln anflogen. Eine große Anzahl Scheinwerfer suchte den Himmel nach Flugzeugen ab. Sichtbar wurde jedoch keiner. Nur das Gebrumme der Feinde war zu vernehmen. Natürlich fehlte auch der Beschuss der schweren FLAK nicht. Hierdurch war es auch unmöglich mit Sicherheit Bombeneinschläge festzustellen. Jedoch wurden Bomben in der Mannsfelder Straße in Bayenthal geworfen, wo vier oder fünf Personen tödlich getroffen wurden. Hierunter befindet sich auch die 24jährige Tochter des Oberpostinspektors ... vom Postamt 3, die sich beim Ankleiden befand, um ihrem Vater und ihrer Mutter zu folgen, welche den Keller bereits aufgesucht hatten. Fliegeralarm 182 von 18.10 - 18.40 Uhr Nun wurden wir auch mal am Tage von feindlichen Fliegern besucht. Wir waren von einem Spaziergang nach Hause gekommen, als auf einmal die Sonntagsruhe durch die Sirenen gestört wurde. Statt den Keller aufzusuchen, waren stattdessen sämtliche Hausbewohner der Straße in ihren Türen erschienen und staunten über den gegebenen Alarm. Aus der Ferne glaubte man Schiessen zu vernehmen. Es blieb aber alles ruhig.... Heute wurde auch durch Sondermeldung bekannt gegeben, dass deutsche Truppen Athen besetzt hatten. Fliegeralarm 183 von 12.15 - 12.35 Uhr Also wieder in der Mittagsstunde Alarm. Es war dies das fünfte Mal während des Krieges, dass über Tag Alarm gegeben wurde. Allerdings waren schon öfter feindliche Aufklärer in unserem Gebiet, die aber gar nicht oder kaum von der Bevölkerung beachtet wurden. Diesmal war ich mit einem Trupp Telegraphenbaulehrlingen nebst zwei Lehrgesellen in der neuen Siedlung Vogelsang an der Vogelsanger Straße gerade beim Mittagessen. Pflichtgemäß ließ ich alle in einem benachbarten Keller eines Neubaues Schutz nehmen. Über dem Stadtgebiet hörten wir heftiges Schiessen der leichten Flak und das Geräusch eines Flugzeuges. Bald war auch die kleine Unterbrechung des Alltagslebens wieder vorbei und die Entwarnung kam. Heute meldete der Westdeutsche Beobachter, dass es sich bei dem gestrigen Alarm um einem Irrtum gehandelt habe. Das vermeintliche falsche Flugzeug wäre ein Beutegut gewesen. Deutsche Piloten hatten es von Frankreich nach hier gebracht. - Ob denn die Funkanlage nicht klappte? Fliegeralarm 184 von 23.30 - 3.30 Uhr Alarm ! Ich sehe nach dem Wecker, 23.00 Uhr. Gespannt horchen wir auf, ob auch schon geschossen wurde. Nichts regte sich. Wir schlafen also ruhig weiter. Plötzlich werden wir wieder aus dem Schlaf in die Wirklichkeit versetzt. Schweres Flakfeuer liegt über uns, es sind 24. 00 Uhr. Ich schalte das Licht wieder aus und steige schnell aus den Federn an das Fenster. Da sehe ich, wie die feindlichen Flugzeuge in Richtung Süden abhauen. Also kein Angriff auf Köln. Ich setze meine Frau beruhigend davon in Kenntnis, und bald sind wir wieder im tiefstem Schlummer, bis um 3.30 Uhr uns die Entwarnung wieder aus dem Schlaf weckte. Dann ging es toll zu. Schlafen, aufschrecken ,Warnung, Entwarnung, schlafen usw. Was sich da in 3/4 Stunde abspielte kann ich mir nicht erklären. Heute, Mittwoch, behaupteten die "Wachgebliebenen" es wäre 3-mal Alarm gegeben worden. Ich kann es nicht mit Bestimmtheit feststellen und halte mich in diesem Buch an meine fortlaufenden Nr. Genau stimmen dieselben doch nicht mit den amtlichen überein, da ich erst beim 158. Alarm angefangen habe Tagebuch zu führen. Es ist also möglich, dass eine Differenz von etwa 5 Alarmen besteht. |
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Fliegeralarm 185 von 0.15 - 2.50 Uhr Kurz nach dem Alarm hörten wir heftiges Flakfeuer, das nur für kurze Zeit verstummte, um gleich darauf umso heftiger wurde. Dies war ein Zeichen, dass der Feind Köln zum Ziel hatte. Schnell standen wir auf, um gegebenenfalls im Keller Schutz zu suchen. Nach kurzer Zeit sah ich über Mülheim ein großes Feuer ausbrechen. Heute hörte ich, dass es die Modellschreinerei der Deutz -Motorenwerke gewesen sei. Es war ein großer Brand, dessen Schein sich in den Fenstern der Rheinlandwolle widerspiegelte. Die Rheinlandwolle steht an der Ecke Amsterdamer Str. und Nesselrodestr. Es war bis 1936 die Schuhfabrik Rollmann-Maier. Dies war eine jüdische Firma und musste unter der Regierung Adolf Hitler das Land verlassen. Der heutige Angriff hat auch an verschiedenen Stellen in Kalk und Deutz Opfer gefordert. In der Glanzstofffabrik an der Neußer Str. in Merheim schlug eine Flakgranate in das Fabrikgebäude ein und tötete dabei 5 Personen. Fliegeralarm 186 von 23.45 Uhr - 4.00 Uhr Fliegeralarm 187 von 0.30 - 2.30 Uhr ... Dauernd kamen feindliche Flugzeuge und berührten auf ihrem Weg nach Mannheim und Frankfurt unsere Stadt. Bei dem Angriff am 9. wurde unsere Stadt auch nur überflogen. Die feindlichen Flugzeuge wurden gegen 0.30 Uhr empfangen und erhielten von der Flak gegen 2.30 Uhr den Abschiedsgruss zugesandt. In dieser Nacht ist aber Mannheim schwer mitgenommen worden. Auch andere Deutsche Städte insbesondere Hamburg und Bremen haben in dieser Woche schwer gelitten. Die Hafenanlagen und ganze Stadtteile sollen vernichtet sein. Hunderte von Toten sind zu beklagen. Man spricht von einer Räumung dieser Städte. Solch Vorsichtsmaßnahmen sind natürlich auch hier in Köln getroffen. Überall sind große Luftschutzräume gebaut und noch im Bau - ein Zeichen, dass uns noch was bevorstehen kann. An ein Kriegsende in diesem Jahr glaubt fast kein Mensch mehr. Fliegeralarm Nr. 188 von 1.45 - 2.15 Uhr Es war für uns ein so genannter gemütlicher Alarm, nur dass Warnung und Entwarnung von uns gehört wurde. Fliegeralarm Nr. 189 von 0.35 - 2.30 Uhr Wieder weckte uns das Alarmsignal aus dem Schlafe. Etwas später hörten wir das Motorengeräusch der Flugzeuge und Flakschüsse. Die Flugzeuge schienen aber derart hoch zu fliegen, dass man annehmen konnte, dass dieselben nicht recht an einen Angriff auf Köln dachten. Jedoch es kam anders. Von allen Seiten konnte man Flakfeuer vernehmen. Öfter stand ich in kurzen Zeiträumen auf, um mich am Fenster zu orientieren. ... nun fing es an zu funken, wie seit längerer Zeit nicht mehr. In kurzen Abständen flogen die feindl. Flugzeuge in niedriger Höhe über unsere Dächer hinweg, immer begleitet von leichtem und schwerem Flakfeuer. Überall standen Leuchtkugeln am mondhellen Nachthimmel. Im Augenblick, wo ich diese Zeilen schreibe, prasseln die Flaksplitter auf unsere Dächer herab. Wir laufen zum Keller! --- Nun ist der kleine Sturm auch wieder vorüber. - Da geht es wieder los. - Also noch einmal in den Keller. Nun sind wir wieder in der Küche. Ich war gerade mal oben am Schlafzimmerfenster, um Ausschau zu halten. In der Mülheimer Gegend ist ein Großfeuer ausgebrochen. Es scheint an 3 Stellen schwer zu brennen --- Nun wieder in den Keller. --- ... Aber dauernd kreisen noch die Flugzeuge, dauernd von schwerem Feuer begleitet. Immer noch wirft der Feind Leuchtbomben. Eine wird, wie ich soeben feststellte, in unsere Nähe gesetzt. Vom Fenster aus sah ich auch einen Brand in Richtung Köln-Südbrücke ausbrechen. Dauernd musste ich mich ducken vor dem Geräusch niederfallender Bomben und Brandbomben. Da sah ich plötzlich, wie sich eine Brandbombe auf dem Dach der seitlich vorn liegenden Fabrik "Rheinlandwolle" entzündete. Dies konnte für uns gefährlich werden. ... Denn, würde das Feuer vom Feind bemerkt, so folgten bestimmt auch Sprengbomben. ... Jedenfalls sah ich doch vom Garten aus, wie die Fabrikfeuerwehr eifrig das Feuer bekämpfte und nicht hochkommen ließ. Dies war aber auch ein Glück für uns. Eine 1/2 Stunde verbrachten wir gemeinsam im Keller. Dann wurde alles ruhig, und wir konnten uns wieder in die Küche begeben. Im Augenblick haben wir 2.50 Uhr. Es scheint alles ruhig zu bleiben. Die Straße ist belebt von Hausbewohnern, die die Geschehnisse der Nacht besprechen. Die Feuer in Deutz und Köln wüten noch immer... Nun ist es 3.30 Uhr. Das Entwarnungssignal ertönt. Wir gehen wieder ins Bett, um noch ein paar Stunden Ruhe zu finden. Im Laufe des Tages werden wir schon Aufklärung über die Schäden erhalten, die durch die nächtlichen Angriffe entstanden sind. Dienstag, 13.5.41 Nun bin ich vom Dienst nach Hause gekommen und habe einen kleinen Überblick erhalten, welche Schäden in der vergangenen Nacht angerichtet wurden. Die erwähnten Brände rührten von dem großen Mülheimer Kabelwerk Felten und Guilliaume, der Dachpappenfabrik Rasjuin und der Hackenteuerkaserne her. Die Werke haben schwer gelitten. Außer diesen Schäden mussten noch eine ganze Reihe anderer Gebäude Schäden hinnehmen. In der Siedlung an der Wichheimerstraße in Mülheim fielen 15 Spreng- und eine Anzahl Brandbomben. Meinem Lehrgesellen Braun sind durch die Bombenwirkung sämtliche Fenster und Türen eingedrückt. Leider waren auch hier 2 Opfer an Menschen zu beklagen und zwar Vater und Mutter von 3 Kindern. Die Eltern waren ca. 44 Jahre alt. 2 Kinder waren in Ferienaufenthalt. Der älteste 17 Jahre alte Sohn kam mit dem Schrecken davon. Bomben fielen auch in der Keupstraße, wo verschiedene Häuser starke Beschädigungen aufwiesen. Fliegeralarm Nr. 190 von 0.30 - 1.30 Uhr Fliegeralarm Nr. 191 von 0.30 - 3.00 Uhr Über beide Geschehnisse wäre nicht viel zu sagen. Es war beim ersten Alarm nur ein Kommen und Kehren der Flugzeuge über unserer Stadt. Beim 2 ten Alarm war es etwas kritischer. Es wurden an einigen Stellen der Stadt Bomben geworfen. Das Hauptziel des Feindes war jedoch außerhalb Kölns, so in Bonn, Godesberg, Euskirchen usw. Fliegeralarm Nr. 192 von 0.15 - 2.45 Uhr Dies war der bisher größte und für unsere Wohnung und Leben gefährlichste Angriff. Die Zahl der Flieger lässt sich ja schlecht bestimmen. Meiner Schätzung nach müssen es aber an der Zahl der abgeworfenen Bomben gemessen 80 bis 100 gewesen sein. Gleich nach dem Alarm ging auch die Schießerei los. ...Rund um das Stadtgebiet gingen die Scheinwerfer hoch und suchten den Himmel ab. Im Norden Osten und Westen lag schon überall Flakfeuer... Schon hörte man die Flaksplitter auf Dächer und Straße niederprasseln... Bald hörten wir auch schon Bomben zischen und explodieren. Ein Blick aus der Türe überzeugte mich, dass in ungefähr 300 m Entfernung ein Brand ausgebrochen war. Nun ging es aber in den Keller. Unaufhörlich schoss die leichte und schwere Flak ihre Salven ab. Dazwischen das Geheul niederfallender Spreng -und Brandbomben. Durch Detonationen erbebte jedes Mal unser Haus. Türen und Fenster zitterten, ebenfalls unsere Frauen, deren Nerven sich doch nicht so sehr stark in der Not erweisen. Immer musste ich ihnen Mut zusprechen. Es war aber auch einem bald nicht mehr gleichgültig. Auch die Neugierde kam nicht mehr zur Geltung, da es unmöglich war sich ohne Lebensgefahr nach draußen zu begeben. Trotzdem musste ich immer nach Brandbomben Ausschau halten. Überall sah man große Brände entstehen. Ich schreibe diese Zeilen am Morgen, nachdem wir nach erfolgter Entwarnung langsam, langsam in einen unruhigen Schlaf gesunken waren. Was mag der Angriff für Folgen gehabt haben? Gestern am Tage und heute hatte ich Gelegenheit Schäden der vergangenen Nacht zu besichtigen. Jedoch ist es unmöglich, überall hin zu kommen und alles eingehend festzustellen. An vielen Stellen ist von der Straße aus auch nicht viel zu sehen. Im ganzen Stadtgebiet zerstreut liegen die Angriffsziele. Einzelne Beschädigungen sind schwerer Natur. In der Follerstraße hat eine Sprengbombe ein Haus von oben bis unten an die Erde gerissen und die Seitenwände der Nachbarhäuser bloß gelegt. Zerstörte Möbelstücke und andere Hausgegenstande sah ich noch auf der einzelnen Etagen liegen. In der Riehler Straße gegenüber Oppenheimerstraße schlug eine Bombe auf das Pflaster und zerstörte u. a. auch die neben der Strasse stehenden Trinkbude. Die Inhaberin, die zur Bewachung in der Halle schlief, wurde tödlich getroffen. Wie mir heute ziemlich zuverlässig mitgeteilt wurde, sind 180 Sprengbomben auf Köln abgeworfen worden. Die Zahl der Brandbomben ist noch nicht bekannt. Die Zahl der Toten soll bis gestern Nachmittag 5 Uhr, 59 betragen haben. Es wurden betroffen: Kaserne Amsterdamer Str. Eisenbahnwerk in Nippes, Kaffee Bauer in der Hohestraße, Follerstraße, Katharinengraben, Weberstr., Schönsteinstr., Senefelderstraße, Linke-Hoffmannwerke in Ehrenfeld. Fliegeralarm Nr. 193 von 2.30 - 3.15 Uhr Fliegeralarm Nr. 194 von 1.40 - 3.30 Uhr Beide Nächte verliefen wieder sehr unruhig, und wir mußten die Alarmstunden im Keller verbringen. Auch wurde wieder beträchtlicher Schaden angerichtet. Viele Personen mußten ihr Leben lassen oder wurden schwer verletzt. Bei dem letzten Angriff erhielt auch die Stephanskirche in Lindenthal an der Bachemer Str. einen Volltreffer, so dass die ganze Kirche zerstört wurde. Eine große Anzahl von Brandbomben zerstörten viele Häuser an der Dürener Straße. Auch das Postamt in der Geibelstr. ist zerstört. In der Altstadt fielen wieder Bomben in der Follerstr., Sionstal, Heereszeugamt Bayenstr. Viele Tote sind zu beklagen. Einzelne Körperteile lagen umher und wurden in Waschkörben weggetragen. Furchtbar ist es , wo der Krieg in dichtbesetzten Wohnhäuser wütet. Fliegeralarm Nr. 195 von 12.30 - 12.40 Uhr Der 6. Alarm während der Tageszeit. Es scheint so, als wenn es sich um einen einzelnen Aufklärer gehandelt hätte, der keine Bomben abwarf. |
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Fliegeralarm Nr. 196 von 0.45 - 3.45 Uhr Diesen Alarm verlebten wir in Esch bei Elsdorf, wo wir die Pfingsttage bei Verwandten verbrachten. Die Dorfbewohner gingen nach erfolgtem Alarm an ihre Haustüren bis die Luft ihnen "rein" schien. Denn wie gewöhnlich, sah man auch heute die Flieger kommen und wegfahren in Richtung Köln. In dieser Nacht war es aber so diesig, so daß man von einem Angriff auf Köln nicht viel sehen konnte. Wir zogen es vor bald wieder das Bett aufzusuchen. Bei der Rückkehr nach Köln hörte ich, daß die Scheinwerfer wenig in Tätigkeit getreten waren. Die Flieger hätten wohl dauernd gekreist und wohl ausschließlich nach Flakstellungen gesucht. Wie bekannt wurde, ist in Dellbrück eine Batterie getroffen worden, wobei es 3 Tote und mehrere Verletzte gaben. Fliegeralarm 197 von 1.45 - 2.50 Uhr Flieger überflogen diesmal nur Köln, scheinbar mit einem anderen Ziel. So konnten wir nach kurzem Aufstehen wieder zu Bett gehen, wo ich nur noch die Entwarnung hörte. Fliegeralarm Nr. 198 von 0.45 - 3.25 Uhr Gleich nach dem Alarm fängt es an kritisch zu werden. Wir müssen uns bequemen, schnell die Betten zu verlassen, um uns nach unten zu begeben. Das Brummen der Flugzeugmotoren und das Geschieße der Flak will kein Ende nehmen. ... Der Mond steht hell am Himmel. Wolkengebilde ziehen an ihm herum, als wenn sie es vermeiden wollten, mit ihm in Berührung zu kommen. Von Leverkusen bis nach Rodenkirchen stehen aneinander gereiht die Scheinwerfer und suchen den nächtlichen Himmel nach feindl. Fliegern ab. Überall sieht man das Aufblitzen des Geschützfeuers und das Krepieren der Geschosse in der Luft. Dazwischen das Pfeifen von niedergehenden Bomben oder das Grollen der Brandbomben, das sich so anhört, als wenn ein D- Zug Dampf ablässt. In Mülheim sehe ich verschiedene Brände ausbrechen. Der feindliche Angriff scheint sich auf Mülheim und der Stadt zu beschranken. Den Kreis ziehen die Flugzeuge immer bis zu uns herüber. Und jedes Mal prasseln die Flaksplitter auf unsere Dächer und Straßen hernieder. Gegen 3 Uhr sehe ich vom Fenster aus von rechts nach links einen Scheinwerfer nach dem anderen verschwinden. Das Geräusch der Motoren wird stärker. Die feindl. Fliegerstaffel (Ich bin inzwischen Fachmann geworden) sammelt sich und wird mit schweren, schwersten und leichtem Flakfeuer aus dem Bereich Kölns geleitet. So, das war für heute der Schlussakt. Nun können wir wieder beruhigt schlafen gehen. Denn gleich wird auch die Entwarnung kommen. Die Flieger sorgen schon dafür, daß sie bei Anbruch des Tages in England sind, um nicht mit unseren Jägern in Konflikt zu kommen. Schnell noch ein Markenbrot und dann geht es zur Ruhe. Am gleichen Tage 18.00 Uhr Nachmittags. Heute hatte ich Gelegenheit zu sehen und zu hören, was alles angerichtet wurde. Es waren viele Treffer erzielt worden, und der Angriff wird wieder viele Opfer gefordert haben.
Von dieser Bombe wurde auch ein Herr Schmitz, unser Gartennachbar schwer verletzt. Eine andere Bombe hatte das Eckhaus Maximinenstr./ Hofergasse - in Trümmer gelegt. Ich sehe jetzt noch immer ein Fahrrad am Giebel des Hauses herunterhängen. Furchtbar sah es innen im Gebäude aus. Eine Etage ist nicht mehr zu erkennen. Andere Zerstörungen wurden angerichtet in der Piccoloministr. in Holweide, wo ein Keller einen Volltreffer erhielt. Was dort von den Bewohnern übrig geblieben ist, ist nicht festzustellen. So verteilen sich die betroffenen Stellen durch die rechtsrheinischen Stadtteile. Wilde Gerüchte laufen rund über die Zahl der Toten. Amtlich wird nie etwas sofort bekannt gegeben. Auch kommt man an amtliche Stellen nicht heran, so daß es nicht möglich ist, etwas Genaues zu ermitteln. Fliegeralarm Nr. 199 von 0.50 - 3.10 Uhr Fliegeralarm Nr. 200 Fliegeralarm 201 von 0.45 - 3.00 Uhr Fliegeralarm 202 von 0.45 - 3.30 Uhr Es ist Montag in der Nacht um 2.15 Uhr. ...Tiefe Wolken ziehen am Himmel - kein Mond noch Stern ist zu sehen. Immer wieder kracht und funkt es, als wenn 100 Gewitter sich am austoben wären. ... Es ist unheimlich, dieses Toben bei den niedrig hängenden Wolken. Man kann nie mit Sicherheit feststellen, wo ungefähr Gefahr im Anzuge ist, da kein einziger Scheinwerfer dem Auge den ungefähren Weg zeigt. Im Moment bebt wieder das ganze Haus unter dem gewaltigen Luftdruck. Wann mögen wir wieder einmal ruhig schlafen können und des Lebens sicher sein?.... Da sausen auch schon wieder Flugzeuge über unsere Dächer hinweg. Sie fliegen in niedriger Höhe. Von unserer Haustür aus, von der ich gerade komme, sieht man durch eine Baulücke die Richtung Ehrenfeld. In dieser Richtung ist der Himmel hellrot gefärbt. Unser Licht flackert sehr, ein Zeichen, daß irgendwo eine Störung ist. Nach halbamtlicher Quelle wurden heute im Flughafen Butzweiler Hof 6-8, im Bahngelände Nippes 3-4 , Hölderlinstr. /Goltsteinstr. 3, Deutz-Kalker Str. am Westdeutschen Beobachter 1 und bei den Fordwerken 5 Bomben geworfen. Fliegeralarm Nr. 203 von 1.00 - 3.20 Uhr Als um 1 Uhr Alarm gegeben wurde war der Himmel sternenklar. Jetzt ziehen (es ist 2.30 Uhr ) tiefe schwarze Rauchwolken über unsere Häuser hinweg. Ich sah den Brand vor etwa 1 Stunde in Richtung Leverkusen entstehen. Vermutlich ist dort bei Bayer ein Großfeuer ausgebrochen. ... Ab und zu wage ich mich mal heraus durch den Kellerausgang in den Garten. Unzählige Leuchtbomben wurden geworfen. Flaksplitter regnen wieder auf unsere Dächer herunter. Eine Bombe ist wohl in unserer Nähe explodiert. Wir scheinen hier noch vorläufig sicher zu wohnen. Aber trotzdem besteht immer Gefahr. Denn wer weiß , ob die immer wieder über uns kreisenden Flugzeuge nicht doch mal eine " Liebesgabe" fallen lassen. Allein schon von einem Flaksplitter getroffen zu werden ist groß. Viele Fälle haben wir hier schon erlebt, wo solche Splitter durch die Fenster und Rolladen in die Zimmer geflogen sind. Im Gegensatz zu den letzten Tagen sind heute die Scheinwerfer wieder voll in Tätigkeit. Oft sind diese auf den ganzen Gesichtskreis verteilt, weil ja auch der Feind während des Angriffs einzeln fliegt. Heute in der Nacht wurden wie das vorauszusehen war, überall Schäden angerichtet. So in der Siebach / Kranach Str., Wartburgstr. Hunderte von Menschen sind ausquartiert worden, da auch noch einige Blindgänger herumliegen, die immer einen großen Gefahrenpunkt bilden, bis nach einigen Tagen (4-6 ) die Sprengung erfolgt. Eine Bombe beschädigte das Pfarrhaus und die St. Engelbertskirche auf dem Riehler Gürtel. In der Stammheimer Str. gegenüber der Sparkasse wurden 2 Häuser schwer beschädigt. In Niehl sollen es 2 Tote und in Nippes und Mauenheim 8 Tote gegeben haben. Im Kreise Bergheim sollen über 100 Sprengbomben und eine große Anzahl von Brandbomben gefallen sein. Über den großen Brand der anscheinend von Leverkusen herrührte, war nichts zu erfahren. Von einem Zeugen hörte ich, daß in der Linie von Leverkusen bis oberhalb Kalk 11 Feuer gewütet hätten. Fliegeralarm Nr. 204 von 11.00 - 11.15 Uhr Es war dies der 7te Tagesalarm, in dem sich jedoch nichts zutrug. Fliegeralarm Nr. 205 von 1.10 - 3.30 Uhr Es ist heute die siebente Nacht in der hintereinander Alarm gegeben wurde.... Eine Anzahl Bomben fielen in Richtung Köln. Es sind jetzt 3 Uhr. Im Augenblick ist hier bei uns Ruhe. Über Köln sind die Flieger noch. Denn dauernd dröhnt noch das Flakfeuer nach hier herüber.... Heute wurde der Straßenbahnhof Sülz und in der Mommsenstr., die Schule, die als Lazarett eingerichtet ist, von Bomben getroffen. Fliegeralarm Nr. 206 von 1.00 - 3.15 Uhr Fliegeralarm 207 von 1.30 - 2.40 Uhr Fliegeralarm 208 von 1.15 - 3.30 Uhr Diese 3 Nächte verliefen wie gewöhnlich. Die Flieger kreisten wohl über Köln und lagen dann dauernd im schwersten Abwehrfeuer. Es wurden nur einige Bomben über Köln abgeworfen. Wie man hört, galten die Angriffe mehr den Außenbezirken der Stadt. Als Laie muß man sich nur wundern, daß man zum Anflug des auswärts liegenden Zieles das Zentrum der Stadt wählt, wo doch die ländliche Gegend nicht soviel Flak besitzt wie die Stadt und die direkte Umgebung. Wie ich schon oft erwähnte, ist es immer gefährlich ,sich nach draußen zu begeben. Gerade die letzte Nacht regnete es förmlich von Flaksplitter. Nie weiß man außerdem, ob und wo Bomben geworfen werden. Minutenlang bleibt das Haus in Bewegung. Die Fenster klirren, die Türen rappeln und der Erdboden dröhnt von entfernt fallenden Bomben und den nachfolgenden Detonationen. Auch die letzte Nacht verlief stürmisch. Gestern hatten wir in der Familie eine große Freude. Unser Hans schrieb morgens aus Rokizan einen Brief, daß er zur Feldtruppe ausrücken müßte. Mittags kam ein Telefonanruf, und er meldete sich von Köln Hauptbahnhof. Er kündigte uns an, daß er bis heute (Sonntag) früh bei uns verbringen dürfte. Endlich stieg er gegen 16.30 Uhr aus der Straßenbahn, nachdem ich mit Jupp dort über eine Stunde gewartet hatte. Immer warteten wir auf die nächste Straßenbahn, die alle 6 Minuten einlief. Jüppchen immer mit seinem Fahrrad ein paar Haltestellen vorausfahrend und dann hinter der Bahn zurückkommend, ohne seinen "Großen Bruder" gesehen zu haben. Dann aber fuhr er bis zum Ursulaplatz ,und endlich bekam er ihn da in der Bahn zu Gesicht. Ich sah ihn schon von weitem angerast kommen, die Bahn kurz vor sich fahren lassend. Dies wat für mich auch ein gutes Zeichen - Da stand er nun vor der Mutter an der Haustür. Groß und breitschulterig, etwas hager geworden, doch ein gesundes, frisches Aussehen und über das ganze Gesicht lachend.... Heute Morgen haben wir Hans wieder zur Bahn begleitet. Er mußte sich bereits um 7 Uhr auf der Frontleitstelle bei seinem Transportführer melden. Sie waren zu 24 Mann, die um 8.37 Uhr den D-Zug nach Lille benutzten. ... Nur der weißt, was so ein Abschied bedeutet, der selbst einen Sohn in einer so schweren Zeit muß ins "Ungewisse" fahren lassen... Heute ist der Krieg gegen Rußland ausgebrochen. Fliegeralarm Nr. 209 von 1.30 - 3.00 Uhr Fliegeralarm Nr. 211 von 1.00 - 3.20 Uhr Fliegeralarm Nr. 212 von 1.50 - 2.10 Uhr Fliegeralarm Nr. 213 von 1.15 - 3.00 Uhr Fliegeralarm Nr. 214 von 1.00 - 2.30 Uhr |
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Fliegeralarm Nr. 215 von 0.50 - 3.00 Uhr Fliegeralarm Nr. 216 von 1.10 - 2.30 Uhr Fliegeralarm Nr. 217 von 1.00 - 3.00 Uhr Fliegeralarm Nr. 218 von 1.10 - 2.15 Uhr Fliegeralarm Nr. 219 von 1.15 - 2.00 Uhr Fliegeralarm Nr. 220 von 0.15 - 11.00 Uhr Sämtliche oben angegebene Fliegeralarme verliefen für uns „gemütlich“. Nie trug sich etwas besonders zu. Nach jeder Warnung stellte ich zuerst meine Beobachtungen an... Man ist schon "Fachmann" geworden. ... In der Umgebung Kölns sind in dieser Zeit viele Bomben gefallen. Heute ist Sonntag, 06.07.41 Wir haben um 10 Uhr die erste hl. Messe besucht. Bei Fliegeralarmen nach 24 Uhr darf nach behördlicher Anordnung die erste Messe erst um 10 Uhr beginnen. Noch vor der Opferung gingen auf einmal die Sirenen, und sofort mußten wir die Kirche verlassen. Alte Leute usw. konnten im Luftschutzkeller Platz finden. Wir begaben uns sofort nach Hause. Nun sitze ich hier um 10.30 Uhr und beschreibe den 8ten Tagesalarm. Jedenfalls kommen in dem schönen Wetter Aufklärer, die sich auch schon durch das singende Geräusch der Motoren bemerkbar machen. Die Flak schießt fleißig gegen den Sonnenhimmel. Mit bloßem Auge kann man jedoch kein Flugzeug erkennen. Da, jetzt um 11.02 Uhr ,ertönt das Entwarnungssignal. Nun machen wir uns fertig ,die Fortsetzung der Messe beizuwohnen.... Heute Morgen erhielten wir auch die erste Post von unserem Hans. Er liegt an der Kanalküste bei Boulogne. Er schreibt schon viel über dortige Luftkämpfe. Wir sind froh, daß es ihm gut geht.... Seine Adresse ist jetzt einfach geworden. Sie
lautet: Fliegeralarm 221 von 1.15 bis 2.30 Uhr Fliegeralarm 222 von 1.00 Uhr - 3. 45 Uhr Es braucht nicht immer die Zahl 13 zu sein, die Unglück bringen soll. Jedenfalls ist es diesmal die "2", die bestimmt ebenso wenig Schuld trägt an allem Elend, was in diesem Augenblick, wo ich diese Zeilen schreibe, über viele Familien von Köln hereinbricht. Vielleicht ereilt uns in den nächsten Minuten auch das Schicksal. Denn die Luft bebt und zittert von Geschossen aller Art. Wir haben den bisher größten Luftangriff auszuhalten. Die Nacht ist mondklar. Trotzdem genügt das den Engländern nicht. Überall wo man blickt stehen Leuchtschirme zu Dutzenden und lassen von hier aus uns die Domtürme hell erblicken. Die ganze Front von Köln ist ein Feuermeer. Wir wagen uns nicht mehr aus dem Keller. Nur ab und zu warte ich mal einen günstigen Augenblick ab, wo ich hinaus eile, um nach Brandbomben zu spähen, und einen Blick auf die Stadtmitte zu werfen. Immer noch zittern bei uns die Wände und Türen. Wir hören die Bomben durch die Luft zischen und dann explodieren. Brandbomben fallen in Massen. Es ist dies ein Geräusch, als wenn eine Lokomotive Dampf ablässt. ... Was mag alles vorgefallen sein? Ich war heute in der Stadt. Schon als ich heute um 7 Uhr nach einer Baustelle in Rodenkirchen fuhr, konnte ich viele Zertrümmerungen feststellen. Ich fuhr die Amsterdamer Str. herunter. Da konnte ich schon an der Ecke Riehler Str./Mevissenstr eine Aussperrung sehen. Ein Schutzmann sorgte dafür, daß keiner die Straße passierte. Augenscheinlich lagen hier am Anfang der Straße und am Rhein Blindgänger. Dann ging es die Klever Straße herunter an den Rhein. Das Rheinufer war von der Bastei bis zur Mevissenstr. gesperrt. Vor der Kunibertskirche lagen Wasserschläuche von Motorpumpen über die Straße weg und führten vom Rhein nach der Richtung Domstr. So war es noch an vielen Stellen bis zum Ubierring. Eine Bombe war am Leystapel, dicht an der Hohenzollernbrücke explodiert. Dabei hatte sie einen Baum entwurzelt, die Fahrdrähte der Straßenbahn zerstört und eine seitlich stehende Trinkhalle zerstört. Vor der Salzgasse, Leystapel 21, hatte das Kaffee Nüsser einen Volltreffer erhalten. Das Haus ist nur noch ein Schutthaufen. So erging es noch verschiedenen Gebäuden am Rheinufer. Die letzte Stelle ,die ich antraf, war gegenüber der Schönhauser Straße, wo die dortige Litfaßsäule zu Boden gerissen, das dort stehende Stellwerk zerstört und die Fahrdrähte der Straßenbahn niedergerissen wurden. Mit Verspätung kamen die meisten Leute meines Bautrupps an und erzählten von den Zerstörungen in der Stadt selbst. Die meisten hatten noch kein Bett gesehen und hatten sich beim Löschen der Brandherde beteiligt. Über Tag hatte ich Gelegenheit einen großen Teil der zerstörten Häuser zu besichtigen. Viele Straßen waren abgesperrt Nur von den Eingängen aus konnte man einen Einblick erhalten. Alles nieder zu schreiben ist unmöglich.
Vielleicht geben es Geschichtsschreiber, die alles in Worten festhalten,
um der Nachwelt ein Bild davon zu geben, was es heißt einen totalen Krieg
zu führen, wie wir ihn jetzt schon haben. Nur einige Straßen will ich
nennen, in denen fast keine
Fensterscheibe mehr ganz waren und viele Häuser zerstört oder schwer
beschädigt wurden: Blindgasse, Gürzenichstr., Perlenpfuhl,
Blick über Alter Markt u Gross-St.Martin *
In der Domstr. arbeitet ein großer Bagger, um den Schutt der zerstörten Häuser schneller wegschaffen zu können. Groß ist der Schaden in der Marzellenstr., wo Brandbomben das Priesterseminar und die Maria-Altermarkt und Gross St. Martin Himmelfahrts-Kirche zerstörten. Auch ist die große Buchhandlung und Verlag Bachem ausgebrannt. Von einer Seite hörte ich, daß 83 Wohnhäuser vollständig zerstört und 3000 Menschen obdachlos sind. Wie viel Tote und Verletzte zu beklagen sind, ist nicht festzustellen. Dies wird wohl auch noch lange ein Geheimnis bleiben. Es ist ja auch nicht gut, daß alle Leute alles erfahren. Der Angriff muß jedoch viele Opfer gefordert haben. Allein Ecke Domstr./Unter Krahnenbäumen soll es 12 Tote gegeben haben. Die Leute saßen alle im Keller und sind wohl erstickt. Am 8.7. wurde auch Münster schwer heimgesucht. Fliegeralarm 223 von 1.30 Uhr - 2.30 Uhr. In der heutigen Nacht, wo alle das Schlimmste erwarteten, geschah nichts. Nur Aachen wurde unverhofft angegriffen. Bisher galt Aachen als eine Stadt, die von den Engländern nicht angegriffen werden würde. Deshalb störte sich der Aachener auch sehr wenig an einen Alarm und blieb in den Betten liegen. Diese Gleichgültigkeit hat deshalb in dieser Nacht mit dem Tode bezahlen müssen. Ich hörte von einem Reisenden, der die Nacht in Aachen verbrachte, daß dieselbe viel schlimmer betroffen wäre als Köln. Fliegeralarm Nr. 221 von 1.00 Uhr - 1.50 Uhr Auch in dieser Nacht blieb alles ziemlich ruhig. Fliegeralarm Nr. 225 von 1.00 Uhr - 2.50 Uhr Gestern Abend ist unser Jupp in die Ferien gefahren. Wir haben ihn an die Bahn gebracht. Er fuhr mit dem D-Zug um 21.50 Uhr über Hamburg nach Stavenhagen in Mecklenburg. Dort hat der Bruder (Jacob) meiner Frau eine Siedlerstelle erworben. Nun ist der Junge wenigstens ca.5 Wochen außer Gefahr und kann auch gute Bauernkost genießen.... Heute wurden aus den Trümmern Unter Krahnenbäumen noch 8 Tote geborgen. Es sollen hier noch 17 Vermisste sein. Überall in der Stadt sind die Aufräumungsarbeiten ,sowie die Instandsetzungsarbeiten in vollem Gange. In der Domstr. arbeitet noch immer der Bagger. Fliegeralarm 226 von 1.40 Uhr - 2.50 Uhr Fliegeralarm 227 von 0.50 Uhr - 2.20 Uhr Fliegeralarm 228 von 0.45 Uhr - 3.15 Uhr Fliegeralarm 229 von 0.15 Uhr - 3.15 Uhr Wenn wir die letzten Fl. auch meist im Bett verbracht haben, so sitzen wir jetzt doch wieder im Keller, denn die Engländer scheinen hier bleiben zu wollen. Immer kreisen die Flugzeuge über unsere Siedlung in ziemlich tiefem Flug. In Richtung Ehrenfeld kann man verschiedene große Brände beobachten. Es ist etwas Gewohnheitsmäßiges geworden und regt uns nicht mehr auf. Fliegeralarm Nr. 230 von 0.30 Uhr - 3.30 Uhr. Im Bett zugebracht. Fliegeralarm Nr. 231 von 0.30 Uhr - 3.30 Uhr Bei Regen und Gewitter gab es tiefe Flüge. Bomben hörten wir keine fallen. Fliegeralarm Nr. 232 von 0.30 Uhr - 3.30 Uhr. Sie kamen um 0.30 Uhr und fuhren 3.20 Uhr von Köln, begleitet von großem Flakfeuer wieder ab, ....Man hatte Heidelberg besucht. Fliegeralarm Nr. 233 von 2.45 Uhr - 4.00 Uhr Fliegeralarm Nr. 234 am von 11.30 Uhr - 12.00 Uhr In der Nacht sahen wir [einen Flieger] in Richtung Neuß brennend zur Erde stürzen. Heute hatten wir den 9. Tagesalarm. Die Engländer kamen sicher, um nach ihrem Kameraden Ausschau zu halten. Fliegeralarm Nr. 235 von 1.00 Uhr - 3.00 Uhr Es fielen wieder Bomben auf die Eisenbahnwerkstatt Nippes. Bald ist nichts mehr davon da. |
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Fliegeralarm Nr. 236 von 00.15 Uhr - 3.30 Uhr Fliegeralarm Nr. 237 von 00.10 Uhr - 3.30 Uhr Gleich nach dem Alarm kamen die Engländer auch schon angeflogen. Die Maschinen überflogen aber nur Köln. Wir legten uns sofort wieder zur Ruhe. Gegen 3 Uhr wurden wir plötzlich aus dem Schlaf geweckt und standen im gleichen Augenblick neben den Betten. Was war los? Eine feindliche Maschine flog im Tiefflug über unsere Dächer hinweg. Das Brausen war ungeheuerlich, den Luftdruck so stark, daß man glaubte, das Ungetüm hätte unser Dach mitgenommen. Die Flak konnte begreiflicher Weise nicht in Aktion treten. Später hörten wir doch die leichte Flak schießen. Dann war alles ruhig und wir konnten nach diesem Schreck wieder ruhig schlafen. Fliegeralarm Nr. 238 von 1.15 Uhr - 2.30 Uhr In dieser Nacht wurde die schöne
Wallfahrtskirche an der Ecke Kalker Hauptstr. und Kapellenstr. in
Kalk
durch einen Volltreffer zerstört.
Kalker Kapelle 1939 und 1943 - sie wurde nicht mehr errichtet ** Fliegeralarm 239 von 3.00 Uhr - 4.00 Uhr und Nr. 240 von 12.30 - 13.50 Uhr. Der Fliegeralarm 240 war der 10 .Tagesalarm. Er war auch gleichzeitig der erste Tagesangriff mit etwa 50 Bombern, die in dem Gebiet um Köln starteten. Betroffen wurde Knappsack und Fortuna und der Bahnhof in Lövenich. Eine Bombe vernichtete die im Fahrradraum untergestellten Fahrräder. Wie groß der Schaden in den Werken und Verluste an Menschen ist, ist mit Bestimmtheit nicht festzustellen. Jedenfalls fuhr die Straßenbahn in Köln noch Stunden nach dem Angriff nur noch mit halbem Strom. Die Entwarnung wurde in Köln zuerst von der Polizei mit Hilfssirenen gegeben. Fast eine Stunde später erfolgte dann die Entwarnung mit den großen Sirenen, die durch Starkstrom betätigt werden. Im Wehrmachtsbericht wurde der Angriff auch erwähnt. U.A. auch, daß engl. Jäger bis zur holländischen Küste vorgestoßen wären, um die Bomber auf ihrem Rückflug wieder nach England zu sichern. Dabei hätte es schwere Luftkämpfe gegeben. Fliegeralarm 241 von 1.30 Uhr - 3.00 Uhr Fliegeralarm 242 von 23.50 Uhr - 4.20 Uhr Bei dem letzten Angriff wurden viele Bomben in der Umgebung von Stommeln, Rodenkirchen und dem südlichen Stadtteil geworfen. Der entstandene Schaden ist jedoch gering. Die meisten Bomben blieben als Blindgänger liegen oder fielen in die Felder oder Gärten. Eine Käsefabrik in Rodenkirchen wurde schwer getroffen und in der Robert-Heuser Str. verschiedene Wohnhäuser beschädigt. Fliegerangriff 243 von 2.00 bis 4.30 Uhr Die Nacht war seit langer Zeit (14 Tage -3 Wochen) wieder sternenklar. Kurze Zeit nach dem Alarm konzentrierten sich die feindl. Flieger um die ganze Stadt herum. Dutzende von Scheinwerfer waren an den verschiedensten Punkten der Stadt auf einer Linie vereinigt, die Flugzeuge aufzumachen und in ihren Bannkreis zu nehmen. Ich vermutete sofort einen Großangriff auf Köln. .... 3mal war ein Flugzeug in den Bann der Scheinwerfer gekommen, und jedes Mal ging ein Trommelfeuer los. Man muß sich wundern, wie so ein Flugzeug dann immer ruhig seine Bahn zieht. Ich sah ein Flugzeug einige Minuten im Scheinwerfer und dann im Sturzflug herunter gehen, während es fortwährend Maschinengewehrgarben zur Erde sandte. Zuerst flog es in nordsüdlicher Richtung, dann drehte es zurück und flog denn in dem erwähnten Tiefflug aus unserem Gesichtskreis ab, begleitetet von den gut verteilten leichten Flakbatterien, die ihre Luftspurmunition vergeblich zusandte. Ein Kamerad von Stommeln sagte mir heute früh, daß dieser Flieger ganz niedrig über Stommeln geflogen sei. Dort hätte er auch Flak und Scheinwerfer mit seinem MG beschossen. Trotzdem es dauernd von Scheinwerfern angestrahlt wurde, hätte das Flugzeug noch einmal gewendet und noch mal eine Runde zurückgelegt. Die Vermutung, daß es ein schwerer Angriff auf Köln werden könnte trat Gott sei Dank nicht ein. ... Heute ist ein sonniger Tag. Alles atmet nach der langen Regenperiode auf. Es ist auch die höchste Zeit, daß das Wetter schön wird. Denn der Roggen und der Weizen stehen die ganze Zeit über im Felde und fangen an zu wachsen und schlecht zu werden. Das würde ein schlechter, hungriger Winter werden, zumal das Wetter sich auch ungünstig auf die späten wie auch auf die Frühkartoffeln auswirkt. Die letzteren fangen langsam an zu faulen und müssen geerntet werden. Vielleicht gibt es denn auch mehr von dem "Gold" zu kaufen. Die letzten 4 Wochen waren für die Menschen, die keine Kartoffeln haben, schlimm, unangenehm. Oft mußte auf ein solches Gericht verzichtet werden. Man sieht die Leute stundenlang an dem Gemüseladen "Schlange" stehen, um dann 1-2 Pfund zu bekommen. Bei uns ist noch kein Mangel eingetreten, da ich selbst einen Schrebergarten von 300 m² bearbeite. Bis zur Späternte werden wir wohl auch aus eigenen Beständen auskommen. Fliegeralarm 244 von 23.00 bis 3.00 Uhr Nichts besonders vorgefallen. Es blieb bei Warnung und Entwarnung, nur daß vor der Entwarnung einige Schüsse fielen. Fliegeralarm Nr. 245 von 23.50 bis 3.00 Uhr Fliegeralarm Nr. 246 von 23.30 bis 2.00 Uhr Fliegeralarm Nr. 247 von 1.30 bis 4.30 Uhr Fliegeralarm Nr. 248 von 23.25 bis 2.30 Uhr Fliegeralarm Nr. 249 von 2.00 bis 4.40 Uhr Samstag, 30.8.41 Fliegeralarm Nr. 245 von 24.00 bis 2.30 Uhr |
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Fliegeralarm Nr. 245 von 22.55.bis 1.45 Uhr Ich sitze wieder in der Nacht bei meinem Tagebuch. Heute schießt die Flak wild durch die Luft, soweit sie überhaupt zum Schießen kommt. Die Wolken hangen sehr niedrig und selten lässt sich hierdurch ein Scheinwerfer erblicken. Denn sonst würde der Schein zu sehr den Erdboden beleuchten und der Feind hätte das Abwerfen der Leuchtbomben mit Fallschirmen gespart. Solche Bomben werden von uns nicht gerne gesehen. Aber auch in dieser Nacht sieht man überall im Gesichtskreis die Wolken erleuchtet, weil über ihnen die Leuchtkugel steht. Meist sind sie schon abgebrannt, ehe sie vom Fallschirm aus den Wolken gelassen werden. In Richtung Leverkusen und Mauenheim sieht man 2 große Brände. Es fallen viele Bomben. Es scheint, daß die Flak und Scheinwerferstellungen angegriffen werden. Fliegeralarm 252 von 23.30 Uhr - 1.30 Uhr In dieser Nacht sahen wir ein Flugzeug brennend abstürzen. Es ist auf dem Ginsterpfad in Köln Merheim niedergekommen. Von der Besatzung waren 2 Mann tot,1 Schwerverletzter. Ein Mann geriet ohne wesentliche Verletzungen in Gefangenschaft. Fliegeralarm 253 von 23.15 Uhr - 0.15 Uhr Fliegeralarm Nr. 254 von 24.00 Uhr - 1.00 Uhr Fliegeralarm Nr. 255 von 23.10 Uhr - 1.00 Uhr Es wurden mehrere Bomben auf die Kaserne in der Bonner Str. geworfen. Fliegeralarm 256 von 23.00 Uhr - 5.10 Uhr Nichts Besonderes Fliegeralarm Nr. 257 von 2.30 Uhr - 3.30 Uhr Nichts Besonderes Fliegeralarm Nr. 258 von 22.30 Uhr - 23.30 Uhr Nichts Besonderes. Fliegeralarm Nr. 259 von 23.00 Uhr - 1.00 Uhr Nichts Besonderes. Fliegeralarm Nr. 260 von 22.55 Uhr - 0.30 Uhr Nichts Besonderes. |
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Fliegeralarm Nr. 261 von 1.45 Uhr - 4.30 Uhr Gestern gab es wieder Tote und Verletzte in der Frankfurter Str., Restaurant "Zum weißen Rössl" und in Ehrenfeld. Wieder sah ich ein Flugzeug brennend abstürzen. Sekunden später wurde unsere Siedlung durch ein gelbliches Licht erhellt. Gleichzeitig härte ich einen dumpfen Schlag. Ich sagte noch zu meiner Frau: „Da ist sicher ein Benzintank in die Luft geflogen.“ In Wirklichkeit war es aber doch das Flugzeug welches auf den Bahndamm von Kahlscheuern gestürzt war. Hierdurch konnte bis zum Morgen kein Zugverkehr stattfinden. Montag, 13.10.41 Fliegeralarm 262 von 4 Uhr - 6 Uhr Nichts Besonderes. Fliegeralarm 263 von 21 Uhr - 23 Uhr Nichts Besonderes. Fliegeralarm 264 von 4.00 Uhr - 5.45 Uhr Dieser Angriff auf Köln wurde bei bewölktem Himmel ausgeführt. Beschädigungen gab es bei Siemens, Friesenplatz, Leyendeckerstr. und in der Forsterstr. in Kalk. Hier gaben Eingeschlossene heute Morgen noch Klopfzeichen aus dem Keller, 3 Personen sollen dort ertrunken sein. In Dünnwald wurden bei dem Angriff am 11.10. 3 Kinder einer Famille tödlich getroffen. Die Mutter kam mit Verletzungen davon. Am nächsten Morgen kam der Vater in Urlaub. - Welch eine traurige Überraschung- Fliegeralarm 265, von 20.35 Uhr - 22.50 Uhr In dieser Nacht wurden wieder 2 Flugzeuge brennend abgeschossen. Eines davon am Bahndamm in Braunsfeld. Unter den Trümmern hatte die gesamte Besatzung, 6 Mann, den Tod gefunden. Fliegeralarm 266 von 2.30 Uhr - 5.50 Uhr Fliegeralarm 267 von 21.00 Uhr - 23.00 Uhr Fliegeralarm 268 von 21.30 Uhr - 23.00 Uhr Wenn auch gestern vom Fliegeralarm nichts zu berichten war, so verdient der Tag es doch festgehalten zu werden. Denn gestern kam unser Hans in Urlaub.... Nun konnten wir wenigstens 14 Tage ohne Sorgen leben. Der bald folgende Fliegeralarm konnte unsere Freude nicht beeinträchtigen, da auch alles ruhig verlief. Fliegeralarm 269 von 14.00 Uhr - 14.30 Uhr Ein Tagesalarm, der keine Neuigkeiten brachte. Fliegeralarm 270 von 20.45 Uhr - 21.35 Uhr |
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Fliegeralarm 271 von 21.45 Uhr - 23.30 Uhr Fliegeralarm 272 von 20.45 Uhr - 2.00 Uhr Fliegeralarm 273 von 20.15 Uhr - 22.45 Uhr Die vorgenannten Alarme [Ausschnitt Zeitungsbericht] konnten uns auch nicht erschüttern. Wohl aber, daß Hans heute von uns Abschied nehmen musste. Wir brachten ihn heute früh, also am Sonnabend den 8. November 1941 wieder zur Bahn. Er fuhr mit dem Urlauberzug ab Hauptbahnhof 8.37 Uhr über Düsseldorf, Maastricht, Arras Amiens, St.O.Mer bis Boulogne. Der Abschied war für uns Eltern nicht leicht. Denn wer weiß, ob noch einmal im Kriege ein „Wiedersehen“ möglich ist. Aber die Hoffnung haben wir. Jeden Tag begleiten ihn die Gebete seiner Angehörigen auf schweren Pfaden. Wie kann ein Krieg auch so grausam sein und "Jugend" rauben. Fliegeralarm 274 von 19.55 Uhr - 22.00 Uhr Es ist ein klarer Herbstabend. Alle Geschütze schießen aus ihren Rohren ein Trommelfeuer auf den ankommenden Feind. Soeben ging ich mal an die Haustür, um Ausschau zu halten. Plötzlich hörte ich einen dumpfen Knall, und fast gleichzeitig wehte mir die Luft wie Wind zwischen die Hosen durch. Da muß doch etwas Sonderliches passiert sein. - Nun ist wieder alles ruhig, und wir sind froh. - da Entwarnung. - Danke. - Wir gehen jetzt zu Bett. Heute war ich mal in Nippes. Dort hatte die Eisenbahnwerkstatt nahe der Nolstr. einen Volltreffer erhalten. Es muß eine ganz gewaltig wirkende Bombe gewesen sein. Denn in der Nolstr. und allen umliegenden Straßen waren viele Dächer abgedeckt und fast alle Fensterscheiben kaputt. Große Fensterscheiben in der Neußer Str. haben auch dran glauben müssen. Den Luftdruck hatte ich also in unserer Hautüre gespürt. Was soll ich nun wieder über Einzelheiten berichten. Ich glaube, daß der Krieg noch nicht richtig für uns in Köln begonnen hat, und wir noch viel erleben werden, was zum Festhalten wichtig ist. Fliegeralarm 275 von 19.55 Uhr - 11.05 Uhr |
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Fliegeralarm 276 von 4.30 Uhr - 6.30 Uhr Fliegeralarm 277 von 19.40 Uhr - 21.50 Uhr Fliegeralarm 278 von 19.50 Uhr - 21.45 Uhr Fliegeralarm 279 von 19.45 Uhr - 22.50 Uhr Fliegeralarm 280 von 12.45 Uhr - 13.00 Uhr Fliegeralarm 281 von 20.00 Uhr - 22.00 Uhr Heute haben wir einen Spaziergang nach Niehl gemacht. Gestern wütete dort ein großer Brand. Überall im Umkreis eines abgebrannten Holzlagers am Niehler Damm konnte man noch die Löcher von Brandbomben feststellen, die der Feind abgeworfen hatte. Am Tage vorher war der Reichsplatz schwer mitgenommen worden. Besonders viele Bomben fielen auf Kölns Umgebung nieder, besonders auch in Stommeln, ohne viel Schaden anzurichten. |